ANLEGER Frage : An Malte Diesselhorst Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Wie entsteht der Dax?

An Malte Diesselhorst

Nach welchen Kriterien setzt sich der 30 Werte enthaltene Deutsche Aktienindex (Dax) zusammen? Und: Es heißt immer, der aktuelle Höchststand sei – gemessen an den Niveaus vor der Finanzkrise – gar kein Rekord, wenn man die Dividenden herausrechnet. Was ist damit gemeint?

Die Freude der Aktionäre war zuletzt groß: Ein Allzeithoch im Dax folgte auf das andere, die Prognosen der Experten über den Jahresendstand wurden schnell übertroffen und großzügig nach oben korrigiert. Die Freude ist berechtigt: Wer knapp vom Dax redet, meint den gewichteten Dax-Performance-Index der 30 größten deutschen Unternehmen. Das ist ein wichtiger Indikator nicht nur für den deutschen Aktienmarkt, sondern auch für die Gesamtwirtschaft. Ausgewählt werden die Unternehmen nach dem Börsenumsatz und der Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien im Streubesitz. Die Gewichtung der einzelnen Werte im Index bewegt sich zwischen knapp zehn Prozent für Siemens und weniger als einem halben Prozent für K+S. Die Zusammensetzung wird jährlich überprüft und den Kriterien entsprechend geändert.

Die im Dax vertretenen Unternehmen konnten in den letzten Jahren ihre Gewinne, Dividenden und Unternehmenswerte im Schnitt deutlich steigern. Das drückt sich in einem Performance-Index besonders stark aus, weil er nicht nur Kursgewinne, sondern auch Dividendenzahlungen einbezieht. Dividendenausschüttungen werden wieder in den Index investiert und tragen so neben der Kursentwicklung zu einer Steigerung bei.

Anders ist es beim Dax-Kursindex, der ebenfalls laufend berechnet, aber in der Börsenberichterstattung selten dargestellt wird. Hier bleiben die Dividendenzahlungen unberücksichtigt. Er hat die Höchststände aus den Jahren 2000 und 2007 noch nicht wieder erreicht. Das gilt auch für den Euro-Stoxx 50, ebenfalls ein Kursindex. Der Dow Jones dagegen, der auch nur aus der Kursentwicklung der enthaltenen Aktien berechnet wird, konnte dennoch in diesem Jahr neue Allzeithochs erreichen.

Vergleicht man also die Entwicklung der Leitindizes, sollte man den Unterschied berücksichtigen. Der aktuelle Stand des Dax-Performance-Index wirkt aus dieser Perspektive immer noch beeindruckend, aber angesichts der guten Dividenden der letzten Jahre eher nachvollziehbar. Anlegern erlaubt der Dax-Performance-Index einen besseren Vergleich mit der Entwicklung von Aktienfonds und anderen Anlageprodukten, die die Dividenden meist ebenfalls wieder anlegen. Dabei zeigt sich, dass es nicht vielen Fondsmanagern gelingt, mit aktiven Strategien die langfristige durchschnittliche Entwicklung des Dax zu schlagen.

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