ANLEGER Frage : An Marcel Hoffmann Anlageexperte für vermögende Privatkunden der Deutschen Bank

Jetzt auf US-Aktien setzen?

An Marcel Hoffmann

Der US-Aktienmarkt erreicht immer neue Rekordstände, das Wachstum in den USA ist wieder Motor der Weltwirtschaft. Sollten Anleger jetzt noch auf US-Aktien setzen und ihnen im Vergleich zu den ebenfalls sehr gut gelaufenen Dax-Titeln den Vorzug geben?

Nach der rasanten Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten steigt das Risiko von Rückschlägen. Auf den erreichten Indexständen bieten sich taktische Gewinnmitnahmen bei einzelnen Titeln an. Allerdings bleibt das strategische Umfeld für Aktien gut. Haupttreiber der aktuellen Aufwärtsbewegung ist die expansive Geldpolitik. Die Leitzinsen in vielen Industrieländern tendieren gegen null. Hinzu kommen die umfangreichen Anleihekäufe der Notenbanken, die auch die Renditen langfristiger Anleihen auf neue Tiefs führen. Anleihen hoher Bonität ermöglichen nicht einmal mehr den Ausgleich der Inflationsrate. Bei kurzfristigen Anleihen erhält der Anleger sogar bereits weniger Geld zurück, als er anlegt.

Um drohenden Kaufkraftverlusten entgegenzuwirken, erhöhen die Investoren weltweit den Anteil von Anlagen mit Sachwertcharakter und solider Ausschüttung. Neben Immobilien sind das vor allem Aktien. Die Dividendenrendite liegt gerade bei deutschen Aktien merklich über der Inflationsrate und übersteigt die Kupons von Anleihen sehr deutlich. Dennoch gilt es, die fundamentalen Aspekte im Auge zu behalten.

Die Konjunkturdaten sind durchaus gut, bleiben aber unter den stark gestiegenen Erwartungen. Das ermöglicht den Notenbanken, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben. Die US-Notenbank dürfte die expansive Geldpolitik bis weit ins kommende Jahr hinein beibehalten. Die EZB schließt eine weitere Leitzinssenkung und negative Zinsen für bei ihr unterhaltene Guthaben nicht aus. Beides gibt Konjunktur und Aktienmärkten Rückenwind.

Der aktuelle Dax-Stand von 8300 Punkten ist unter Bewertungsaspekten nicht mit Indexlevels über 8000 Punkten in den Jahren 2007 oder 2000 vergleichbar. Auf die Gewinne und Wertansätze in den Unternehmensbilanzen bezogen waren deutsche Aktien damals deutlich höher bewertet. Die aktuellen Bewertungskennzahlen liegen in der Nähe langjähriger Durchschnitte und liefern weder in den USA noch in Deutschland Signale für eine Überbewertung. Die etwas höhere Bewertung von amerikanischen Aktien im Vergleich zu Dax-Titeln korrespondiert mit besseren Perspektiven für die US-Wirtschaft und US-Unternehmen. Zusätzlich gibt es bei amerikanischen Aktien Chancen auf Währungsgewinne, wenn sich der Euro gegenüber dem US-Dollar abschwächt.

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