ANLEGER Frage : an Oliver Borgis Leiter der Vermögensverwaltung der Weberbank

Wie riskant ist die US-Schuldenkrise?

an Oliver Borgis

In den USA ist nur knapp der Haushaltsnotstand verhindert worden. Die Ratingagentur Standard & Poor’s stellt die erstrangige Bonität der USA infrage und hat kürzlich den Ausblick für das Rating auf Negativ gestellt. Was bedeutet die „Schuldenkrise“ in den USA für den Aktienmarkt? Welche Risiken sollten Anleger im Blick behalten?

Nur mit Not ist in letzter Minute der Haushalt für das Fiskaljahr 2011 verabschiedet worden, dessen Einsparungen das Wirtschaftswachstum der USA im zweiten Halbjahr um rund einen Viertel-Prozentpunkt niedriger ausfallen lassen dürften. Dennoch stellen sie keine ausreichende Entlastung dar. Schon Mitte Juli wird voraussichtlich die gesetzliche Schuldenobergrenze in Höhe von 14 300 Milliarden Dollar erreicht werden. Da die Demokraten nur noch im US-Senat, aber nicht mehr im Repräsentantenhaus über eine Mehrheit verfügen, droht ohne Einigung ein sogenannter „government shutdown“, also die Einstellung von Gehaltszahlungen und die Schließung von Behörden und Staatsbetrieben.

Von den Aktiengesellschaften sind bislang nur geringe Befürchtungen zu vernehmen. Dennoch sollten Anleger darauf achten, wie sich Unternehmen künftig zu dieser Thematik äußern. Auftragsausfälle von Staatsseite sind am ehesten für Infrastruktur- und Bauunternehmen zu befürchten. Aber je nachdem, wo der Rotstift angesetzt wird, könnte der Konsument direkt oder indirekt belastet werden und die Ausblicke der Konsumgüterproduzenten und -händler dämpfen. Sollte es tatsächlich zu einer Herabstufung des Ratings kommen, wären die Auswirkungen größer, da dies Auswirkungen auf die Refinanzierungskosten der USA hätte und somit die Situation weiter verschlechtern würde.

So spricht es für die Robustheit der Aktienmärkte, dass sie nur kurz zusammengezuckt sind und die zwischenzeitlichen Kursrückgänge bereits wieder mehr als aufgeholt haben. Für die US-Börsen gilt das allerdings nur in Dollar gerechnet. Ähnlich wie der Dax hat der S & P 500 seit Jahresanfang um sieben Prozent im Kurs zugelegt – in Euro umgerechnet aber um zwei Prozent nachgegeben.

Es wird zunehmend offensichtlich, dass nicht nur europäische Staaten sondern auch die USA ein strukturell ausuferndes Verschuldungsproblem haben. Das lastet auf dem Dollarkurs. Der Euro notiert nach einer Aufwertung um mehr als 20 Prozent seit dem Sommer letzten Jahres nur noch zehn Prozent unter seinem Höchstkurs von 1,60 US-Dollar. Dies kann zur ernsthaften Belastung für unsere exportstarke heimische Wirtschaft werden, was die Aktienkurse hierzulande drücken, die von Anleihen aber beflügeln würde.

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