ANLEGER Frage : an Oliver Borgis Leiter der Vermögensverwaltung der Weberbank

Wer stabilisiert den Aktienmarkt?

an Oliver Borgis

Die US-Notenbank hat in der vergangenen Woche Hoffnungen auf eine weitere geldpolitische Lockerung geweckt. Passiert ist freilich nichts. Kann es der Fed angesichts der Schuldenkrisen in den USA und in der Eurozone gelingen, den Aktienmarkt aus dem Tief zu holen?

Erst jüngst hat die Fed eine außergewöhnliche Maßnahme lockerer Geldpolitik verkündet, indem sie sich festlegte, das aktuelle Niedrigzinsniveau bis mindestens Mitte 2013 bestehen zu lassen. Damit hat sie ihr Hauptinstrument aus der Hand gelegt. Ein geradezu unglaublicher Akt mit unglaublich wenig Wirkung.

Nun konzentriert sich der Ausblick auf die noch außergewöhnlicheren Maßnahmen wie den Ankauf von Staatsanleihen. Diese Form der Finanzierung des Staates durch die Notenbank sollte eigentlich nur ein Notbehelf sein, ist aber inzwischen auf gigantische 1600 Milliarden US-Dollar ausgeweitet worden, womit die US-Notenbank zum größten Gläubiger des eigenen Staates geworden ist, mit deutlichem Abstand vor China.

Eine Notenbank kann aber eine Staatsschuldenkrise nicht lösen, das ist Regierungsaufgabe. Wenn sie durch Aufkauf von Staatsanleihen in Billiardenhöhe diese Politik unterstützt, lässt sie vielmehr Zweifel an ihrer politischen Unabhängigkeit aufkommen und spielt mit ihrer Glaubwürdigkeit, die einen unabdingbaren Pfeiler für stabile Kapitalmärkte darstellt. Auch ist eine solche Aufblähung der Liquidität keine feste Basis für Aktienkurse. Da die Fed dennoch seit den 1960er Jahren bereits häufiger mit Geldmengenausdehnung auf Aktieneinbrüche reagiert hat, könnte man fälschlicherweise annehmen, dass sie zum Ziel hat den Aktienmarkt zu unterstützen. Die tatsächlichen Zielvorgaben sind aber Preisniveaustabilität, ein hoher Beschäftigungsgrad und langfristig moderate Zinsen.

Durch die Verfolgung und Erreichung dieser Stabilitätsziele kann die Fed den Boden für eine tragfähige Aktienentwicklung bereiten, auf weitere geldpolitische Lockerungen müsste sie dann aber verzichten. Sie kann die Aktienmärkte nicht alleine stabilisieren, das ist auch überhaupt gar nicht der Auftrag einer staatlichen Notenbank.

Sie kann aber auf zwei unterschiedlichen Pfaden wesentlich dazu beitragen. Der kurzfristige führt über eine neuerliche Liquiditätsschwemme mit dem Preis langfristiger Problemverschärfung. Der langfristige führt über Stabilitätspolitik aber um den Preis kurzfristiger Enttäuschung des Aktienmarktes. Es mehren sich derzeit die Zeichen, dass man erneut den ersten Pfad wählt und damit auch zumindest vorübergehend erfolgreich sein kann.

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben