ANLEGER Frage : An Oliver Borgis Leiter der Vermögensverwaltung der Weberbank

Wird Gold wertvoller?

An Oliver Borgis

Der Goldpreis stagniert seit geraumer Zeit, oberhalb von 1700 Dollar pro Feinunze passiert seit Monaten wenig. Hat Gold noch Kurspotenzial?

Im September 2011 erreichte der Goldpreis den Rekordwert von 1921 US-Dollar pro Feinunze. Seitdem hat er zwischenzeitlich um 20 Prozent nachgegeben, sich dann wieder bis knapp 1800 US-Dollar erholt und notiert jetzt um 1700 US-Dollar. Laut World Gold Council war die Barren- und Münznachfrage in den letzten Quartalen rückläufig, während die Käufe von Fonds und die Nachfrage aus Asien weiter zunahmen. Erstaunliche 30 Prozent der globalen Konsumnachfrage entfallen auf Indien. Daher hat die Schwäche der indischen Rupie einen nennenswerten Einfluss gehabt. Seit Mitte 2011 bis Mitte 2012 hat diese Währung gegenüber dem US-Dollar und dem Euro rund 20 bzw. 13 Prozent verloren. Aus Sicht der Inder kostet Gold seit diesem Sommer so viel wie nie zuvor.

Von diesem störenden Sondereinfluss abgesehen präsentiert sich das fundamentale Umfeld für Gold sehr positiv. Die großen Industrienationen sind mehrheitlich überschuldet, weiten die Geldmengen stetig aus und weisen sehr geringe Zinssätze und oft negative Realrenditen auf. Die Weltproduktion an Gold ist kaum steigerbar und die Schürfkosten nehmen weltweit laufend zu. Für ein nachgefragtes Gut bilden die Produktionskosten eine Art Preisuntergrenze. Eine stete Zunahme der Weltbevölkerung und insbesondere der wohlhabenden Mittelschichten Indiens und Asiens, für die Goldschmuck traditionell einen besonders hohen Stellenwert haben, sprechen für eine weitere Zunahme der weltweiten Goldnachfrage. Auch die Notenbanken insbesondere von Schwellenländern stocken ihre Goldreserven weiter auf. Erratischer ist dagegen die Nachfrage nach Gold als privatem Anlageobjekt. Daher bleibt Gold sicher ein stark schwankendes Investment.

Gold sollte als Beimischung und Diversifikation im Portfolio betrachtet werden. Wenn andere Anlagen Probleme bekommen, zum Beispiel weil Aktien unter Konjunktursorgen oder Anleihen unter Inflationsängsten leiden, dann kann Gold helfen. Seit Oktober 2011 ist das nicht nötig gewesen, Standardaktien und -anleihen verbuchten beträchtliche Kursgewinne, während Gold stagnierte. Es war also als stabilisierendes Element gar nicht gefordert. Das kann in Zukunft anders werden, und auch die indische Rupie wird nicht ewig weiter abwerten. Der Höhenflug des Goldes ist voraussichtlich noch nicht beendet, auch wenn die Krisensymptome des Euroraums weiter abschwellen.

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