ANLEGER Frage : An Oliver Borgis Leiter des Portfoliomanagements der Weberbank

Wie lange dauert die Krise?

An Oliver Borgis

Ist die Unsicherheit in der Euro-Zone nach der Regierungsbildung in Griechenland vorbei oder sollte man als Anleger außerhalb des Euro-Raums nach Anlagen auf den Aktien- und Anleihemärkten Ausschau halten? Welche Regionen und Assetklassen empfehlen Sie?

Das Positive an der Regierungsbildung in Griechenland ist, dass die negativen Szenarien eines andauernden politischen Vakuums und der offenen Konfrontation mit der EU vermieden wurden. Besser als vor der Wahl ist die Situation aber nicht. Im Gegenteil: Die Opposition ist gestärkt und wird die Massen auf der Straße mobilisieren. Der soziale Friede wird als Druckmittel gegenüber der EU eingesetzt werden, denn auf Lockerungen am Sparprogramm ist man ohnehin aus. Erst vor ein paar Monaten hat Griechenland einen Schuldenschnitt vorgenommen. Aber selbst nach dieser Ultima Ratio wurde kein befreiender Handlungsspielraum erreicht. Das Geschacher wird bald beginnen und schnell Schule machen, was sogar die Unterstützung des IWF gefährden kann.

Parallel dazu hat sich die Lage in anderen Ländern verschlechtert. Spaniens und auch Italiens Fähigkeit, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren, ist bedroht. Für beide Länder gleichzeitig würde es unter dem Rettungsschirm zu eng. Es scheint darauf hinauszulaufen, dass entweder die Hilfszusagen noch einmal erweitert werden, die Vergemeinschaftung der Schulden vorangetrieben wird oder direkte Anleihenkäufe wieder aufgenommen werden – durch die Europäische Zentralbank oder den Europäischen Stabilitäts-Mechanismus (ESM). Egal wie, über den Kapitalschlüssel tragen die Geberländer die Last und deren Bonität würde leiden.

Die Krise wird uns noch lange beschäftigen, und der Austritt des einen oder anderen Landes kann nicht ausgeschlossen werden. Den Euro generell meiden muss man aber nicht: Er wäre für deutsche Sparer immer noch der einzige Weg, sich im Fall der Fälle die deutsche Nachfolgewährung zu sichern, bevor diese ab der ersten Sekunde ihrer Existenz sprunghaft aufwertet. Man sollte aber sicherheitshalber Wertpapiere meiden, deren etwaige Nachfolgewährung abwerten würde, und solche, die von einer Rezession im Euro-Raum besonders betroffen wären, zum Beispiel Osteuropa. Die verbleibenden Bausteine für eine noch hinreichend breite Streuung der Anlagen sind deutsche und französische Pfandbriefe, Aktien und Anleihen von Unternehmen ohne wirtschaftlichen Schwerpunkt in den PIIGS-Staaten, Aktien und Anleihen aus Nordamerika und aus den Wachstumsländern Asiens und Lateinamerikas sowie Gold.

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar