ANLEGER Frage : An Peter Lischke Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Berlin

In Immobilien umschichten?

An Peter Lischke
Foto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Angesichts der Turbulenzen an den Aktien- und Anleihemärkten mache ich mir Sorgen um meine Lebensversicherung. Sollte ich jetzt nicht lieber kündigen und für das Geld in Immobilien investieren?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Entweder-Oder beantworten. Denn es gilt, mehrere Aspekte sorgfältig zu bedenken. Bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung handelt es sich trotz der aktuellen Turbulenzen um eine sichere Anlage – bei aller berechtigten Kritik an diesem Produkt, insbesondere wegen der fehlenden Transparenz und der hohen Kosten. Für die Sicherheit steht zum einen die Garantieverzinsung, die für aktuell abgeschlossene Verträge bei 2,25 Prozent pro Jahr liegt. In früheren Jahren war die Garantieverzinsung zum Teil sogar deutlich höher. Bis Juni 1987 lag sie bei drei Prozent, ab Juli 1994 sogar bei vier Prozent. Dann sank sie wieder. Ab Januar 2012 wird sie noch 1,75 Prozent betragen.

Da bei Altverträgen die bei Vertragsabschluss vereinbarte Garantieverzinsung zu zahlen ist, handelt es sich bei den aktuellen Marktzinsen durchaus um keine so schlechte Verzinsung. Zu diesen Garantieverzinsungen kommen noch die Überschüsse hinzu, von denen sich allerdings nie im Voraus sagen lässt, wie hoch sie sein werden.

Zu bedenken ist allerdings, dass die Verzinsungen nur auf den sogenannten Sparanteil gezahlt werden, also den Betrag, der nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Diese Kosten sind in den ersten Jahren besonders hoch, so dass eine Kündigung zu diesem Zeitpunkt in der Regel mit beträchtlichen Verlusten verbunden ist. Wer einen Versicherungsvertrag besitzt, der schon länger als zwölf Jahre läuft, sollte diesen eher nicht kündigen, zumal die Auszahlungen am Ende der vertraglich vereinbarten Laufzeit bei diesen Altverträgen auch noch steuerfrei sind. Es empfiehlt sich deshalb, sich bei seiner Gesellschaft vor einer Kündigung erst einmal nach dem Rückkaufwert zu erkundigen, um den „Preis“ der vorzeitigen Vertragsbeendigung zu erfahren.

Gänzlich anders ist die Situation bei einer fondsgebundenen Versicherung. Hier ist der Anleger in der Tat voll in die Marktrisiken involviert, da die Garantien sehr gering sind. Aber auch hier gilt: Genau prüfen, was bei einer Kündigung tatsächlich herauskommt.

Bleibt noch ein Blick auf die mögliche Alternative. Natürlich ist eine Immobilie in Zeiten kriselnder Börsen und steigender Preise durchaus eine sichere und inflationsgeschützte Anlage. Aber es muss sich um ein Objekt handeln, das man tatsächlich haben will, bei dem Preis und Lage stimmen und vor allem die Finanzierung machbar ist. Was nutzt der Kauf einer Immobilie, wenn sie nicht oder nur unter Einschränkung der Lebensqualität zu bezahlen ist. Da kann es sinnvoll sein, die vorhandene Versicherung mit in eine Immobilienfinanzierung einzubinden, wenn damit der Traum vom „eigenen Herd“ verwirklicht werden soll.

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

1 Kommentar

Neuester Kommentar