ANLEGER Frage : an Peter Lischke Verbraucherzentrale Berlin

Wie passt man Freibeträge an?

an Peter Lischke

2011 habe ich mit Aktien Kursverluste eingefahren, aber mit einigen Aktienfonds und Festgeld Zinserträge erzielt. Die Anlagen verteilen sich auf mehrere Konten. Wie kann ich die Verluste verrechnen, um meine Steuerbelastung insgesamt zu drücken?

Unabhängig von der konkreten steuerlichen Behandlung von Gewinn- und Verlustrechnungen innerhalb der einzelnen Konten sollte spätestens im November bis Mitte Dezember das gesamte Anlagedepot einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Dabei geht es nicht nur um eine Überprüfung, ob die Anlagestrategie aufgegangen ist, sondern auch um die Verteilung der Freistellungsaufträge. Reichen die bestehenden Beträge für die einzelnen Konten aus? Wo gibt es Reserven? Wo muss der Betrag nach oben oder nach unten korrigiert werden?

Für Sparer gilt seit der Einführung der Abgeltungsteuer 2009, dass pro Jahr Kapitalerträge, also Zinsen, Ausschüttungen, Kursgewinne bis zu einer Höhe von 801 Euro steuerfrei sind. Für jeden Euro darüber hinaus sind 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig. Jeder Sparer sollte deshalb neben der Verteilung der Beträge auf die einzelnen Konten und Depots auch prüfen, ob diese Grenze eingehalten ist.

In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, welche Anlageprodukte wie versteuert werden. So sind bei Sparanlagen Zinsen voll steuerpflichtig, bei Anleihen einschließlich Bundesanleihen, Pfandbriefen und Genussscheinen sind zusätzlich zu den Zinsen auch noch eventuelle Kurs- und Währungsgewinne steuerpflichtig. Das betrifft auch Investmentfonds-, also Geldmarkt-, Renten-, Aktien-, Misch- und Dachfonds. Auch bei Aktien sind sowohl die Dividenden als auch die Kursgewinne steuerpflichtig.

Insoweit ist drittens zu überlegen, wie die Regelungen der Abgeltungsteuer in der Anlagestrategie zu berücksichtigen sind. Die Steuer hat nämlich mit ihrer Einführung die Situation für Anleger in Investmentfonds verändert. Sie sind jetzt im Nachteil, weil die Gewinne der seit 2009 erworbenen Papiere steuerpflichtig sind. Dabei ist es unerheblich, wie lange der Anleger die Papiere in seinem Depot hat. Vor 2009 galt eine sogenannte Spekulationsfrist von einem Jahr, nach deren Ablauf Gewinne steuerfrei waren. Diese spielt nun keine Rolle mehr. Ausgenommen von der Abgeltungsteuer sind aber Gewinne, etwa aus Fondsanteilen, die noch bis Ende 2008 erworben wurden. Wenn diese Fondsanteile jetzt oder im Laufe des Jahres verkauft wurden, sind die Gewinne steuerfrei.

Generell gilt: Die steuerliche Behandlung ist zwar ein wichtiger, aber nur einer von mehreren Aspekten für eine langfristig erfolgreiche Anlagestrategie.



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