ANLEGER Frage : Björn Jesch Chefinvestmentstratege für vermögende Privatkunden der Deutschen Bank

Ist bei China Vorsicht geboten?

Björn Jesch

Die chinesische Wirtschaft wächst nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. In einigen Branchen, etwa in der Autoindustrie, wächst die Sorge vor einem Einbruch der Geschäfte. Wie wirkt sich dies auf die Weltwirtschaft aus? Und wie sollten Anleger reagieren, die in China engagiert sind?

Die Abschwächung des chinesischen Wachstums ist beabsichtigt und das Ergebnis gezielter Bremsmanöver. Dabei sind Sorgen um eine Überhitzung der Konjunktur und daraus resultierende Inflationsrisiken nicht der einzige Grund. Regierung und Notenbank sind sich der aus einem größer werdenden Wohlstandsgefälle resultierenden gesellschaftlichen Spannungen bewusst. Hinzu kommen Engpässe eines Verkehrsnetzes, dessen Ausbau mit der rasanten Zunahme des Individualverkehrs nicht Schritt halten kann. 2011 hat die Regierung die staatlichen Anreize zum Kauf von Autos zurückgeschraubt. Die Autoverkäufe in China waren 2010 um 34 Prozent gestiegen. 2011 lag die Zunahme bei acht Prozent, für 2012 rechnen wir mit fünf Prozent.

Ein Nachfrageeinbruch erscheint unwahrscheinlich. Solchen Tendenzen dürfte die Regierung mit staatlichen Eingriffen entgegenwirken. China bleibt ein Automarkt mit hohen Absatzzahlen und Zuwachsraten, die mittelfristig deutlich über denen der Industrieländer liegen. Die Spielregeln dürften sich aber denen der etablierten Märkte angleichen. Der Preisdruck wird steigen, da die schwächer expandierende Nachfrage auf hohe und wachsende Produktionskapazitäten trifft. Damit dürften sich auch die überdurchschnittlichen hohen Renditen der Anbieter in diesem Markt normalisieren.

Die chinesischen Wachstumssorgen teilen wir nicht. Das erste Quartal dürfte mit einem Wachstum von 7,5 Prozent das schwächste im laufenden Jahr sein. Für das Gesamtjahr haben wir unsere Wachstumsprognose jüngst auf 8,6 Prozent angehoben und sehen uns im Anstieg der chinesischen Einkaufsmanagerindizes bestätigt. Damit dürfte China auch 2012 einen hohen Beitrag zum globalen Wachstum leisten, das wir bei rund 3,5 Prozent sehen. In diesem Umfeld rechnen wir für chinesische Aktien auf Jahressicht mit bis zu zweistelligem Kurspotenzial.

Neben soliden Fundamentaldaten spricht vieles dafür, dass China dem internationalen politischen Druck nachgibt und seine Währung weiter aufwerten lässt, nicht zuletzt wegen der Konzentration auf das Wachstum im heimischen Binnenmarkt. Somit erscheinen Anlagen in Renminbi-denominierten Anleihen, beispielsweise von westlichen Unternehmen, als Muss in jedem Portfolio. Auch Fremdwährungskonten bieten neben der attraktiven Verzinsung die Chance auf entsprechende Währungsgewinne.

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