Anleger-Frage : Geldmarktfonds genau ansehen

an Martin Rottmann Leiter der Zins- und Devisenstrategie der Hypo-Vereinsbank

an Martin Rottmann

Am Geldmarkt ist es nach der US-Hypothekenkrise zu schweren Turbulenzen gekommen. Inwieweit sind davon Privatanleger betroffen – und kann man noch sorglos in Geldmarktfonds investieren?

Man kommt nicht automatisch auf die Idee, dass Geldmarktfonds risikobehaftete Papiere beinhalten. So gab es in der jüngsten Vergangenheit ein böses Erwachen, als sich herausstellte, dass in vielen Geldmarkt- oder verwandten Fonds Asset-Backed-Security-Strukturen (ABS) oder Collateralized Debt Obligations (CDOs) steckten, die wenig mit dem allgemeinen Verständnis für eine Geldmarktanlage zu tun haben und teilweise von der US-Immobilienkrise betroffen waren.

Eine generelle Ablehnung gegenüber Geldmarktfonds ist aber mit Sicherheit fehl am Platze. Der Teufel steckt hier vielmehr im Detail: Man muss sich schon die „Inventarliste“ seines Geldmarktfonds anschauen, um eine klare Vorstellung über den Inhalt zu bekommen. Inwieweit sich also ein Verkauf beziehungsweise eine Rückgabe lohnt, ist somit letztendlich eine sehr individuelle Überlegung.

Eine Panikreaktion sollte man zumindest vermeiden. Generell dürften die Turbulenzen an den Finanzmärkten in den kommenden Wochen abflauen. Zwar zeigen die Verspannungen am Geldmarkt ein unverändertes Misstrauen der Banken untereinander an. Die Notenbanken haben aber die Gefahr erkannt und einen funktionierenden Geldmarkt als oberstes Ziel auserkoren. Sie haben umgehend gehandelt und dem Markt Liquidität zugeführt. Diese Liquiditätsspritzen ändern zwar noch nichts am zugrunde liegenden Problem – nämlich einem schwachen US-Immobilienmarkt und einem Überschwappen von der Finanzmarktkrise auf die reale Wirtschaft. Dennoch können sie – zumindest kurzfristig – für eine Stabilisierung des Marktes sorgen.

Zudem gibt es wenig Zweifel, dass die Notenbanken entweder kurz vor Leitzinssenkungen stehen (wie im Fall der USA) oder jegliche Zinserhöhungspläne zunächst verschieben (wie im Fall der EZB), bis das Umfeld wieder stabiler wird. Natürlich bieten Geldmarktfonds nicht die Sicherheit von Spareinlagen, doch um Gelder zwischenzuparken, stellen ausgewählte Fonds auch künftig eine sinnvolle Anlagevariante dar.



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