• ANLEGER Frage: <i>an Claus-Günther Richardt < i>Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : an Claus-Günther Richardt < i>Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

„Ich rechne nicht mit einem kurzfristigen Anstieg der Zinsen“ Anleihefonds kaufen?

an Claus-Günther Richardt

Viele Anleger greifen zu Anleihefonds. Was halten Sie von diesem Trend?

Anleihefonds sind so beliebt, weil kurzfristige Anlagen nur magere Zinsen abwerfen. Laut einer aktuellen Studie von Lipper FMI kauften europäische Anleger in den vergangenen zwölf Monaten für rund 143 Milliarden Euro Rentenfondsanteile. Ein weiterer Grund für die Popularität von Anleihefonds: Das Vertrauen vieler Anleger in die Aktienmärkte ist noch nicht zurückgekehrt. Seit Beginn der Finanzkrise profitieren die Anleihemärkte, insbesondere erstklassige Staatsanleihen, daher von ihrem Status als „sicherer Hafen“. Die hohe Nachfrage und die Niedrigzinspolitik der Notenbanken haben aber dazu geführt, dass das Zinsniveau auch hier auf ein historisch niedriges Niveau gesunken ist.

Anleger, die auf diesem niedrigen Renditeniveau in Anleihefonds investieren wollen, sollten zwei Faktoren beachten: Erstens schmälern die mit dem Fondserwerb verbundenen Kosten wie der Ausgabeaufschlag die ohnehin schon niedrigen Renditen. Daher sollte der Anlagehorizont bei mindestens drei bis fünf Jahren liegen. Zweitens besteht das Risiko von Zinsänderungen. Ziehen aber die Zinsen wieder an, fallen die Kurse der im Fonds enthaltenen Anleihen je nach Laufzeit mehr oder weniger stark und der Anteilspreis des Fonds sinkt.

Ich rechne jedoch nicht mit kurzfristigen Zinsanstiegen. Die Wachstumsdifferenzen innerhalb der Euro-Zone sind nach wie vor groß. Auch die konjunkturelle Entwicklung vor allem in den USA ist weiter mit großen Unsicherheiten behaftet. Mittel- bis längerfristig dürften die Renditen jedoch wieder anziehen. Dafür sprechen die in absehbarer Zeit wohl steigenden Inflationsraten sowie die Erwartungen an ein Gegensteuern der Notenbanken.

Deshalb würde ich derzeit Anleihefonds bevorzugen, die in Wertpapiere mit kürzeren Restlaufzeiten zwischen ein bis drei Jahren investieren. Eine Alternative wären variabel verzinsliche Anleihen. Bei diesen Fonds ist das Kursrisiko begrenzt. Sie können zudem flexibler auf sich ändernde Marktgegebenheiten reagieren. Meine Empfehlung: Rentenfonds eignen sich vor allem für solche Anlagesegmente, in denen Sparer mit Einzelanlagen keine adäquate Risikostreuung erreichen können oder wo für Privatanleger hohe Markteintrittsbarrieren bestehen. Dazu zählen in erster Linie Fonds für Inflationsanleihen und für Unternehmensanleihen. Für renditeorientierte Anleger bieten auch Fonds für Anleihen aus Schwellenländern, den so genannten Emerging Markets, noch immer interessante Einstiegschancen.

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar