ANLEGER Frage : Immobilienfonds gegen die Inflation?

Claus-Günther Richardt, Leiter des Bereichs Vermögensanlagen der Landesbank Berlin, erklärt, wie man sich vor der Inflation schützen kann.

an Claus-Günther Richardt

Die Inflationsrate ist zuletzt auf 3,3 Prozent gestiegen. Viele Banken empfehlen deshalb Investitionen in offene Immobilienfonds, um sich vor der Inflation zu schützen. Ist das sinnvoll? Welche anderen Möglichkeiten gibt es?

Der frühere Bundesbankchef Karl Otto Pöhl sagte einmal: „Inflation ist wie Zahnpasta: Ist sie einmal aus der Tube, bekommt man sie nur schwer wieder hinein.“ Da die Preise für Rohstoffe, Energie und Nahrungsmittel weiter steigen, gehe ich davon aus, dass die Inflationsrate wohl noch einige Zeit über der Marke von drei Prozent bleiben wird.

Eine Investition in offene Immobilienfonds kann für sicherheitsorientierte Anleger mit längerem Anlagehorizont sinnvoll sein. Die Fonds investieren vorwiegend in gewerblich genutzte Immobilien und sind gegen die Geldentwertung abgesichert: Wertsicherungsklauseln in den Mietverträgen garantieren, dass die Mietentwicklung an den Lebenshaltungskosten ausgerichtet ist. Steigt die Inflation, steigen auch die Mieten.

Aber auch vor dem Hintergrund der Einführung der Abgeltungssteuer 2009 gewinnen offene Immobilienfonds an Attraktivität: Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen, die noch 2008 erworben werden, bleiben bei einem späteren Verkauf steuerfrei. Zudem erzielen viele Fonds einen großen Teil ihrer Einnahmen aus Objekten im Ausland und versteuern sie dort. Diese Erträge sind aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen für deutsche Anleger steuerfrei.

Eine andere Möglichkeit der geldwertgeschützten Anlage bieten inflationsindexierte Anleihen. Bei diesen Bonds werden sowohl der Zins als auch der spätere Rückzahlungsbetrag jährlich um die Inflationsrate erhöht. Ein Beispiel: Beträgt der Zinssatz der Anleihe zu Beginn der Laufzeit drei Prozent, so steigt der Kupon bei einer Inflationsrate von zwei Prozent im Laufe von zehn Jahren sukzessive auf 3,7 Prozent. Gleichzeitig erhöht sich der Tilgungsbetrag jedes Jahr um zwei Prozent. Nach zehn Jahren läge die Rückzahlungssumme inklusive Zinseszins also 22 Prozent über dem eingesetzten Nominalwert. Übrigens: Wer kostenbewusst investieren und das Risiko breiter streuen möchte, kann auch bei inflationsindexierten Anleihen zu Investmentfonds greifen.

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