Anleger-Frage : Manager müssen stärker haften

An Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

an Malte Diesselhorst

Nach der dramatischen Rettungsaktion für die IKB Mittelstands-Bank, die sich auf dem US-Hypothekenmarkt verspekuliert hat, prüfen Aktionärsvertreter Klagen gegen die Bank. Was ist Gegenstand dieser Klagen und wie sind die Erfolgsaussichten?

Über die Risiken nachrangiger Hypotheken in den USA wird im Kapitalmarkt schon seit Monaten immer wieder gesprochen. Trotzdem kam für die Öffentlichkeit die Nachricht der Beinahe-Insolvenz der IKB überraschend. Auch aufmerksame Leser der Geschäftsberichte der IKB hatten vor der Gewinnwarnung keinen Anlass, ein existenzielles Risiko für den Bestand der Bank zu vermuten. Noch am 20.07.2007 hatte die IKB ihre Ergebniserwartung für 2007 bestätigt und die Risiken aus der Hypothekenkrise in den USA als unbedeutend eingestuft.

Von außen betrachtet ist es unverständlich, dass die Vorstände die Milliardenrisiken nicht schon lange vor der Veröffentlichung der Gewinnwarnung kannten und ihre Aktionäre darüber informierten – zumal andere Banken, die der IKB Kredite gewährt hatten, darüber anscheinend unterrichtet waren.

Gleichwohl sind Klagen von Aktionären, die von dem massiven Kurseinbruch der IKB betroffen sind, schwierig. Der geschädigte Aktionär muss nachweisen, dass von der Gesellschaft eine falsche Kapitalmarktinformation erteilt wurde und diese Fehlinformation ursächlich für seine Kaufentscheidung und damit für den eingetretenen Verlust war. Wenn es sich, wie hier, um eine Pressemitteilung eines Unternehmens handelt, muss darüber hinaus nachgewiesen werden, dass der Vorstand den Kapitalmarkt vorsätzlich falsch informierte.

Ob Klagen im Falle der IKB letztendlich Erfolg haben werden, hängt daher sicher auch vom Ergebnis der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab. Unabhängig davon zeigt der Fall aber deutlich, dass die Haftung von Managern für fehlerhafte Kapitalmarktinformationen dringend verschärft werden muss. Bereits 2004 lag dazu ein vollständiger Gesetzentwurf vor, der nie verabschiedet wurde. Auch wenn damit den geschädigten IKB-Aktionären nicht geholfen ist, wird es jetzt höchste Zeit für einen neuen Anlauf zu diesem Vorhaben.

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