Wirtschaft : Anleger haben nichts zu erwarten Große Koalition streicht Freibeträge bei Sparern

Heike Jahberg/Henrik Mortsiefer

Berlin – Der Sparerfreibetrag halbiert, die Steuerpflicht für private Veräußerungsgewinne ins Unendliche ausgedehnt – was die große Koalition den Sparern und Anlegern zumutet, stößt bei Steuerberatern, Anlegerschützern und Banken auf Kritik. „Die Senkung des Sparerfreibetrags trifft vor allem Kleinanleger“, sagt Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dem Tagesspiegel. Nach der Einigung der Koalition soll der Sparerfreibetrag für Zinseinnahmen von derzeit 1370 Euro im Jahr (Ledige) auf 750 Euro gesenkt werden. Auch der Bundesverband deutscher Banken kritisiert die Maßnahme. Statt eine tragfähige Reform der Kapitalbesteuerung auf die Beine zu stellen, gehe es der künftigen Regierung nur darum, Geld zusammenzukratzen.

Auch Steuerberater halten die geplanten Änderungen für unökonomisch und falsch. Die Freibeträge seien eingeführt worden, um die Finanzämter zu entlasten, gibt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg, zu bedenken. Damit sei es künftig vorbei. Und auch das Ziel, dass jeder Bürger stärker für sein Alter Vorsorge treffen soll, lasse sich mit der Halbierung der Sparerfreibeträge nicht in Einklang bringen. Der Sparerfreibetrag, der Zinseinnahmen steuerfrei stellt, ist in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich reduziert worden. Von 6000 DM ist der Freibetrag zunächst auf 3000 DM beziehungsweise 1500 Euro und dann noch einmal auf 1370 Euro gekürzt worden.

Weitere Senkungen halten Anlegerschützer für bedenklich. Fondsbesitzer müssten sich künftig bei der Auflistung ihrer Kapitaleinkünfte mit einem „Wust von Angaben“ in ihrer Steuererklärung herumplagen. „Kompliziert wird es, wenn man Anteile von verschiedenen Fonds hält“, sagt SdK-Chef Schneider. Auch die Abschaffung der Spekulationsfrist für Veräußerungsgewinne wirft zahlreiche Probleme auf. Bisher sind Spekulationsgewinne bei Aktien und Wertpapieren nach einem Jahr und bei Immobilien nach zehn Jahren steuerfrei. Jetzt sollen die Gewinne unbegrenzt steuerpflichtig werden. Für Wawro ist das ein „Hammer“, denn reine Wertzuwächse würden bislang nicht besteuert.

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