Wirtschaft : Anleger hören wieder auf die guten Nachrichten

Die Akteure an der Börse richten ihren Blick jetzt in die Zukunft und setzen auf die ersten Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung

Veronika Csizi

Verkehrte Welt: Wer hätte vor acht Wochen geglaubt, dass der Dax Ende November bei 3320 Punkten stehen würde? Die vergangenen vier Wochen haben auch Pessimisten überzeugt: Das Schlimmste, so heißt es auf dem Parkett, sei überstanden. Immer mehr Analysten glauben mittlerweile, dass die Bullen die Bären unwiderruflich in den Winterschlaf geschickt haben. Vieles spricht dafür, dass dies stimmt: Der Dax hat die psychologisch wichtige Marke von 3000 Punkten im November zwar getestet, aber erfolgreich verteidigt. Am Ende ist er sogar aus seiner Handels-Spanne zwischen 3000 und 3300 Punkten ausgebrochen.

Wichtiger noch: Negative Nachrichten, wie sie noch Anfang Oktober für Tiefenräusche gesorgt hätten, wurden mit Achselzucken zur Kenntnis genommen. Gute Nachrichten, die sich inzwischen vor allem in den USA häufen, ließen die Kurse dagegen regelrecht explodieren. Bestes Beispiel dafür ist der Bauelemente-Hersteller Epcos: Den Anlegern konnte nicht einmal die Ankündigung, das Unternehmen müsse am 23. Dezember den Dax verlassen, die Kauflaune nehmen. Der optimistische Geschäftsausblick trieb dagegen Scharen von Investoren in das Papier: Zum Abschied ist Ecpos mit knapp 70 Prozent im Plus der Star des Monats. Und: Wer am Tief bei 5,52 Euro eingestiegen ist, hat binnen acht Wochen 232 Prozent verdient.

Nach ihren starken Zuwächsen im Oktober lagen die anderen Dax-Hightechs indes diesmal eher auf den hinteren Rängen. Den Rang abgelaufen haben ihnen unter anderem die Hypo-Vereins- und Commerzbank. Beide profitierten vor allem von neuerlichen Fusionsgerüchten. Und überraschend stark schlossen die Papiere von Fresenius Medical Care (FMC) ab. Analysten hatten erwartet, ein Prozess um Schadenersatzansprüche gegen eine FMC-Tochter in den USA würde sich noch Jahre hinziehen. Doch zum Wochenschluss kam die Nachricht: FMC schließt einen Vergleich, der Prozess ist somit abgewendet. Von dem Druck befreit stieg die Aktie allein vergangenen Freitag um gut 30 Prozent, im November insgesamt um 42,6 Prozent.

Die neuen Steuerpläne der Regierung zur Abschöpfung von Aktiengewinnen scheinen die Anleger nicht irritiert zu haben. Angesichts der Senkung der Steuern auf 7,5 Prozent und der Aufhebung der Spekulationsfrist fördert schließlich die neue Steuer die kurzfristige Spekulation, bestraft dagegen aber langfristig denkende Sparer und Anleger. Dafür, dass Finanzpapiere unter dem drohenden erheblichen Verwaltungsaufwand nicht litten, hatten Händler nur eine Erklärung: Die Investoren glauben nicht, dass das Projekt in dieser Form Realität wird.

Dass die Anleger inzwischen nach vorne blicken, zeigt sich auch bei der Telekom. Der bisher größte Verlust eines Dax-Unternehmens überhaupt – exakt 24,5 Milliarden Euro – wurde verdrängt, die Neubesetzung des Chefsessels mit Kai-Uwe Ricke hingegen euphorisch gefeiert. Dass er aus dem Einflussbereich von Ron Sommer kommt und somit letztlich wahrscheinlich eine ähnliche Unternehmenspolitik betreibt? Egal. Die Telekom legte unter dem Strich im November sechs Prozent auf 12,23 Euro zu. Auch Infineon verhalfen die Investoren trotz grottenschlechter Quartalszahlen noch zu einem Plus von rund 3,6 Prozent.

Sensibel reagierten die Märkte nur in Sachen Irak. Das Hin und Her um die Durchsetzung der Uno-Resolution zur Waffenkontrolle ließ sich auch an den Börsen ablesen. Folgerichtig steht Ende November parallel zur bisher friedlichen Lösung des Konflikts der Dax mit 5,3 Prozent Zuwachs da. Aber: Trotz der zweimonatigen Aufwärtsbewegung notiert weiter kein einziges Unternehmen im Jahr 2002 bisher im Plus.

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