Anleger im Glück : Mit Aktien lag man 2013 richtig

Deutsche Vermögen sind in überwiegend in Zinsanlagen deponiert. Damit war im zu Ende gehenden Jahr nichts zu gewinnen. Und auch 2014 sind Aktien fast schon "erschreckend alternativlos", wie Experten meinen.

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Nach der Krise. Einige Banken rechnen beim europäischen Leitindex Euro-Stoxx-50 mit einem Plus von mehr als 20 Prozent. Foto: dpa
Nach der Krise. Einige Banken rechnen beim europäischen Leitindex Euro-Stoxx-50 mit einem Plus von mehr als 20 Prozent. Foto: dpaFoto: dpa-tmn

Nimmt der Dax im kommenden Jahr die Hürde von 10 000 Punkten? Die meisten Banken und Fondsgesellschaften glauben, dass die Bullen 2014 noch viel Kraft haben. Vor uns könnte also das sechste Jahr steigender Aktienkurse liegen. „Aktien sind erschreckend alternativlos“, findet etwa Hendrik Leber, Chef von Acatis Investment. Denn Anleihen mit geringem Risiko und hoher Bonität und andere Zinspapiere werfen kaum noch reale Renditen ab, Rohstoffe schwächeln. Gleichzeitig stimmten die fundamentalen Kriterien für Aktien: Die meisten Bilanzen seien gesund, die Dividendenrenditen hoch.

Immer seltener lassen sich Analysten jedoch zu exakten Prognosen für die kommenden zwölf Monate hinreißen, mit denen sie am Ende fast immer falsch liegen. Für 2013 waren die Experten in der Summe eher skeptisch gewesen und hatten dem Dax im Schnitt nicht mehr als 8000 Punkte zugetraut, also ein Jahresplus von vier Prozent. Die Société Générale hatte gar einen Absturz auf 7250 Punkte vorausgesagt. Doch der Dax jagte ab Herbst von einem Allzeithoch zum nächsten, erreichte in der Spitze 9405 Punkte und konnte sein Punktekonto für 2013 bis Mittwochmittag um gut 20 Prozent auf 9160 Zähler vermehren. Um mehr als 1000 Punkte lagen die Analysen also daneben.

Gold verliert an Glanz

Skepsis wäre angebracht gewesen in puncto Gold und Zinspapiere, die den Anlegern wenig Freude gemacht haben. Die Feinunze Gold zum Beispiel ist heute rund 27 Prozent weniger wert als zu Jahresbeginn. Auch deutsche Bundesanleihen lieferten 2013 unter dem Strich kein positives Ergebnis. Der Zinskupon machte etwa die Kursverluste bei Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit nicht wett, so dass auch vor Inflation ein Minus steht. Nach Meinung der meisten Analysten könnte sich dies auch 2014 fortsetzen. Anleihen von Emittenten höchster Bonität werden auf absehbare Zeit keine Rendite bringen, glaubt etwa Allianz Global Investors. Dies gilt auch für andere Zinsanlagen wie Tagesgelder, deren Renditen im Jahresverlauf 2013 kontinuierlich von 1,1 auf 0,7 Prozent im Schnitt gefallen sind. Jene 85 Prozent der deutschen Vermögen, die in Zinsanlagen deponiert sind, haben also unter dem Strich reale Verluste erlitten, während mit Aktien satte Gewinne möglich waren.

Aktien versprechen Gewinn

23 der 30 Dax-Firmen sorgten für kräftige Kursgewinne, ein Fünftel schaffte gar mehr als 30 Prozent. Die zweite und dritte Börsenliga in M-Dax und Tec-Dax hat den Dax sogar noch überflügelt und deutlich mehr als 30 Prozent Rendite eingefahren. Vor allem aus dem Ausland soll das Interesse am deutschen Mittelstand, in dem nicht wenige Weltmarktführer vertreten sind, enorm gestiegen sein.

Auch wer 2014 Geld in Aktien steckt, wird Gewinn machen können, allerdings eher im höheren einstelligen Prozentbereich, prognostizieren die meisten Banken. Dax-Stände über 10 000 Punkte etwa sehen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die BNP Paribas oder die Sparkassen-Fondstochter Deka. Auch die DZ-Bank tippt auf Spitzenkurse von 10 200 Punkten und begründet dies mit einer „durchgreifenden Erholung der Weltwirtschaft“, was vor allem deutschen Exportwerten nütze. Auch für die Großbank UBS, die den Dax gar auf 10 800 Punkte steigen sieht, bleiben „Aktien die favorisierte Anlageklasse“.

Während 2012 und 2013 vor allem die Notenbanken mit ihrer Politik des billigen Geldes die Kurse getrieben hätten, könnten 2014 immer öfter gute Wirtschaftsdaten aus allen Teilen der Welt als Kaufargument dienen. Während dies für Fondsmanager und Vermögensverwalter Jens Ehrhardt von DJE Kapital vor allem für Japan und China gilt, empfiehlt die UBS, im kommenden Jahr vor allem kontinentaleuropäische und britische Aktien verstärkt ins Depot zu holen. Nach der Euro- und Staatsschuldenkrise sei der Aufholbedarf an Europas Aktienmärkten am größten. Auch insgesamt sehen die Banken in Europa im Schnitt mehr Potenzial als in allen anderen etablierten Aktienmärkten. Die Landesbank Berlin erwartet positive Überraschungen in den Bilanzen der europäischen Wirtschaft, denn die Erwartungen seien immer noch sehr niedrig. Werden die Prognosen Realität, so könnte der Euro-Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Firmen der Euro-Zone repräsentiert, 2014 bis auf 3500 Punkte steigen, glauben etwa die UBS und Goldman Sachs. Gemessen am aktuellen Niveau bei 2970 Zählern wäre damit ein Plus von 18 Prozent denkbar.

Die Deutsche Bank gibt sogar Handlungsanweisungen für 2014. Auch wer nicht allzu spekulativ orientiert sei, solle sein Depot stärker mit Aktien bestücken, dabei einen Schwerpunkt in den Industrieländern und im Dollar setzen, Anleihen aus den europäischen Problemländern und Immobilien beimischen, Rohstoffe jedoch beiseitelassen und die Liquidität verringern.

Zahl der Pessimisten ist überschaubar

Auch die dänische Saxo-Bank hat sich wie jedes Jahr zehn provokante Szenarien ausgedacht, die sich – nicht immer völlig ernst gemeint – erneut vom Mainstream abheben und für das kommende Jahr rabenschwarz sehen. Die Bank erwartet etwa eine EU-Vermögenssteuer für Ersparnisse über 100 000 Euro, einen Einbruch des Ölpreises und des französischen Leitindex Cac 40 sowie ein jähes Ende der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands samt Rückfall in eine Rezession, ausgelöst durch steigende Reallöhne und Pläne des Auslands zur Verringerung der deutschen Handelsüberschüsse. Von den zehn provokanten Thesen der Saxo-Bank aus dem Vorjahr hat sich eine einzige bewahrheitet: der dramatische Zusammenbruch des Goldpreises.

Zu den wenigen Pessimisten gehört auch die Hessische Landesbank, die glaubt, dass sich die Aktienhausse bereits in einem sehr späten Stadium befindet und höchst labil ist. Die Indizes hätten bereits einen Gutteil der positiven Konjunkturerwartungen in ihren Kursen vorweggenommen, das zyklische Kurspotenzial sei größtenteils ausgeschöpft. Das Kursziel liegt bei 8900 Punkten – das wäre ein Minus von drei Prozent.

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