Wirtschaft : Anleger in Sektlaune

Investoren erwarten guten Start ins neue Jahr

Bernd Hops

Am letzten Handelstag des zu Ende gehenden Jahres verließen den Dax am Schluss doch noch die Kräfte. Der deutsche Leitindex sank am Freitag knapp unter die Marke von 6600 Punkten – und damit wieder auf das Niveau vom Wochenbeginn. Größter Gewinner der Woche war ein Wert, der auch in der Bilanz des Gesamtjahres ganz vorne steht: Thyssen-Krupp.

Dem Jahreswechsel sehen die Anleger mit großem Optimismus entgegen. Kaum jemand erwartet, dass der positive Trend, der in den vergangenen Wochen an der Börse geherrscht hat, abreißt. Click Options, eine Tochter der französischen Großbank Société Générale, hat festgestellt, dass gut die Hälfte der Dax-Anleger in der ersten Januarwoche mit Kursgewinnen rechnen, nur zehn Prozent aber mit billigeren Aktien. Charttechnisch – also bei einer reinen Analyse der jüngsten Kursentwicklung – sei mit einem kurzfristigen Anstieg des Dax auf bis zu 6714 Punkte zu rechnen.

Die Experten der Weberbank teilen die positive Sicht, was den deutschen Aktienmarkt angeht. Nachdem die Furcht gewichen sei, die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland könnte die Konjunkturerholung abwürgen, könnten die Prognosen der Unternehmen wieder heraufgenommen werden, schreiben die Analysten der Weberbank in einer aktuellen Marktstrategie. Die „zuletzt enormen Gewinnzuwächse“ seien derzeit „noch nicht einmal überdurchschnittlich bewertet“, trotz der jüngsten Kursgewinne. Das Kursniveau liegt außerdem weiter spürbar unter dem durchschnittlichen Verhältnis von Aktienpreisen zu Unternehmensgewinnen von 14,5. Auf dieser Basis könnten sich die Papiere im Schnitt noch um sieben Prozent verteuern, rechnen die Weberbank-Experten vor. Außerdem dürfte die Übernahmefantasie die Kursentwicklung weiter befeuern, zumal die Märkte und Firmenchefs von einer Euphorie wie in den Jahren 1999 und 2000 weit entfernt seien. Übermäßige Aufschläge würden bei Akquisitionen derzeit nicht gezahlt, hat die Weberbank festgestellt.

Das neue Jahr wird an den deutschen Börsen allerdings in jedem Fall sehr ruhig beginnen. Denn zunächst wird der Impuls von den US-Märkten fehlen. Sowohl die elektronische Börse Nasdaq als auch die Wall Street werden am 2. Januar den Handel aussetzen. US-Präsident George W. Bush hat den Tag zum nationalen Trauertag für den verstorbenen Ex-Präsidenten Gerald Ford erklärt. An solchen Trauertagen findet an den US-Märkten traditionell kein Handel statt. Deshalb werden die Anleger frühestens ab Mittwoch erfahren, ob die Sektlaune anhält. Allzu große Bewegungen sind allerdings auch dann noch nicht zu erwarten. Abgesehen von ein paar Konjunkturdaten aus den USA ist der Terminkalender leer. Auf dem Automarkt sind erste Impulse der anstehenden Automesse in Detroit möglich. Richtig auf Touren kommen die Börsianer aber traditionell erst ab Mitte Januar. Bis dahin können die Investoren sich Gedanken über ihre Anlagestrategie machen. Trotzdem gilt der Januar statistisch gesehen als guter Börsenmonat.

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