Wirtschaft : Anleger misstrauen Bankberatern

Der Trend geht zum Online-Banking

Frankfurt am Main – Anleger in Deutschland betrachten das Verhalten von Finanz- und Bankberatern immer skeptischer. „Das Vertrauen in ihre Berater hat seit der Finanzkrise 2008 deutlich gelitten und es ist seit Mitte 2010 nochmals gesunken.“ Christian Wrede, Deutschland-Chef der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment, zieht diesen Schluss aus einer neuen Umfrage unter 12 000 Privatanlegern in 14 europäischen Ländern im Juli dieses Jahres, also noch vor der neuerlichen dramatischen Talfahrt an den Börsen. Nach Ansicht von Wrede kann die Finanzbranche den anhaltenden Vertrauensschwund und die „erodierende Loyalität“ zu ihrer Bank oder Sparkasse nur stoppen, indem die Transparenz weiter ausgebaut und die Information über die einzelnen Produkte vertieft wird.

Vor einem Jahr hatte Fidelity die Anleger schon einmal zur Qualität der Finanzberatung gefragt. Die neue Studie ergibt einen klaren Trend: „Die Wirkungen der Finanzkrise haben nicht nur in Deutschland bei den Anlegern langfristige Spuren hinterlassen,“ sagt Wrede. Fast 40 Prozent der Befragten in Deutschland sagen, dass sie ihrem Finanzberater heute noch weniger trauen als 2008. In keinem anderen europäischen Land ist der Vertrauensschwund ähnlich stark. „Und es bröckelt weiter,“ sagt Wrede.

Die Hauptgründe für den Trend: Berater gehen nach Angaben der Anleger nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse ein, sie vermissen die Initiative des Beraters, und mehr als zwei Drittel sind überzeugt, dass der Berater seine eigenen über die Interessen des Kunden stellt. Außerdem klagen viele Anleger über zu hohe Gebühren.

Konsequenz des Vertrauensschwunds: Rund die Hälfte der befragten Anleger denkt über einen Wechsel des Beraters und des Finanzinstituts nach. Diesen Schritt vollzogen haben allerdings die wenigsten, sagt Wrede. Aber offensichtlich managen viele Anleger ihre Finanzangelegenheiten zumindest zum Teil selbst – bei einer Online-Bank. ro

0 Kommentare

Neuester Kommentar