Wirtschaft : Anleger profitieren von den Launen des Devisenmarktes

Wie Sparer und Spekulanten an schwankenden Wechselkursen verdienen und sich gegen Verluste absichern können

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Berlin (mot). Der Euro steigt und steigt – und weckt die Begehrlichkeiten der Anleger. Wie kann man an der Wertsteigerung der Währung teilhaben – oder an einem möglichen Rückfall? Wie spekuliert man gewinnbringend auf das Auf und Ab der Wechselkurse? Bevor sich Sparer und Spekulanten aufs Parkett des Devisenmarktes wagen, sollten sie wissen, dass der Handel mit Währungen extrem volatil, das heißt schwankungsanfällig, ist. Stimmungen und Gerüchte bewegen die Wechselkurse oft stärker als Aktienkurse. Das heißt aber auch, dass schneller größere Gewinne anfallen können, wenn der Anleger geschickt und mit etwas Glück vorgeht. Festlegen sollten Anleger vor ihrer Investition auch, ob sie im Fall der EuroDollar-Relation mit einem steigenden oder fallenden Wechselkurs der Europäischen Gemeinschaftswährung rechnen.

Geht der Währungsanleger zum Beispiel davon aus, dass der Euro bei seinem derzeitigen Wert um 1,28 Dollar seinen Höchststand erreicht hat, kann es sich lohnen, Dollar zu kaufen, um von der erwarteten Wertsteigerung in der Zukunft zu profitieren. Das freut vor allem Sparer, die in den kommenden Monaten in die USA reisen wollen. Eine Möglichkeit, heute die Reisekasse mit billigen Dollars zu füllen, bietet ein so genanntes Währungskonto : Dabei zahlt der Anleger einen bestimmten Dollar-Betrag zum aktuellen Wechselkurs auf das Konto seiner Bank ein. Dort liegt das Geld bis zum Antritt der Reise. Verzinst wird es in Abhängigkeit von der jeweiligen Währung. Bei Dollarkonten fällt die Rendite meist niedrig aus: Die American Express Bank bietet zum Beispiel für einen Betrag bis 25000 Dollar nur 0,1 Prozent pro Jahr. Einen echten Wechselkursgewinn macht der in die USA reisende Kontoinhaber nur, wenn er die Dollars auch zum niedrigeren Einzahlungskurs wieder ausgeben kann. Wird das Guthaben einfach nur zurückgezahlt, fällt zwar bei gestiegenem Dollar ein Währungsgewinn an. Für die Reisekasse muss aber neu, und zwar zu dann höheren Kursen, zurückgetauscht werden. Ideal ist also die Kombination mit Kreditkarte, von der etwa in den USA direkt auf das Konto zugegriffen werden kann. Beim American Express-Konto ist das nicht der Fall. Ebensowenig bei der Commerzbank. Sie bietet zwar Währungskonten an, das Guthaben ist aber nur per Überweisung verfügbar.

Sparkassen-Kunden müssen sich beim Thema Währungskonto auf ihr Verhandlungsgeschick verlassen. „Währungskonten sind bei uns eher die Ausnahme und werden vor allem Geschäftskunden angeboten“, sagt ein Sparkassen-Sprecher. Aber: Jede Filiale könne selbst entscheiden, ob sie auch privaten Kunden einen solchen Service bieten wolle. Die Stiftung Warentest rät deshalb, sich die Konditionen (Kontoführungsgebühren, Verzinsung, Mindestanlage oder Umrechnungsprovisionen) der Anbieter genau anzusehen. Angesichts der dürftigen Auswahl an Währungskonten raten die Finanzexperten Reisenden auch zu einer simplen Alternative: Traveller-Schecks . Heute gekauft, zahlen sie sich bei einer späteren Reise aus – vorausgesetzt der Dollar steigt.

Ein lukrative, aber auch kompliziertere Alternative zu Konten oder Schecks bieten Termingeschäfte, mit denen der Anleger mit Hilfe von Optionen oder Zertifikaten auf fallende oder steigende Wechselkurse wetten kann. Bisher konnten hier nur professionelle Investoren einsteigen. Doch seit kurzem ist dies auch Kleinanlegern möglich. Allerdings sollten sie risikobewusst und eher spekulativ veranlagt sein. So bieten einige Banken wie ABN Amro oder Trinkaus & Burkhardt so genannte Mini-Futures an. Die standardisierten Terminkontrakte für jedermann bieten schon bei relativ kleinem Kapitaleinsatz hohe Gewinnchancen auf dem Devisenmarkt. Sie eignen sich außerdem zur Absicherung anderer, wechselkursabhängiger Kapitalanlagen. Anders als bei der Direktanlage besteht allerdings hier das Risiko, dass der Einsatz bei einer ungünstigen Marktentwicklung verloren geht. Im Unterschied zu traditionellen Futures haben Anleger aber keine Nachschusspflicht. Das heißt: Im schlimmsten Fall verlieren sie nicht mehr als ihr eingesetztes Kapital. Um einen Totalverlust zu vermeiden, werden zudem bei einigen Mini-Futures Stopp-Loss-Kurse festgelegt. Bei Erreichen dieses Kurses wird dieses Knockout-Zertifikat genannte Papier automatisch verkauft und der Restwert gutgeschrieben. Der Nachteil: Schwankt der Wechselkurs stark, fliegt der Anleger womöglich schneller aus dem Markt als ihm lieb ist. Der Vorteil von Zertifikaten besteht darin, dass sie keine begrenzte Laufzeit haben.

Anleger, die bei der klassischen Aktienanlage bleiben, aber trotzdem Währungschancen nutzen wollen, sollten sich zum Beispiel auf Unternehmen oder Anlageprodukte konzentrieren, die im jeweiligen Währungsraum besonders engagiert sind. Bei einem künftig wieder steigenden Dollar lohnen sich also Geldmarkt-, Rentenfonds- oder Aktienfonds aus dem Dollar-Raum, weil sich das eingezahlte Kapital durch den steigenden Wechselkurs automatisch vermehrt. Geht der Anleger hingegen von einem weiter sinkenden Euro aus, empfehlen sich Aktien oder Fonds, die stärker auf den Euroraum konzentriert sind. Angesichts der starken Abhängigkeit deutscher Konzerne vom Export, fällt hier die Auswahl schwerer. Es sollten also vor allem Exporteure in den Euroraum sein, die der Dollarkurs nicht stört. Oder Unternehmen, die viele Vorleistungen in den USA kaufen – und sich über den Euro-Höhenflug freuen.

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