Anleger : Schluss mit den goldenen Zeiten

Wer vor der Finanzkrise in Gold investiert hat, hat einen guten Schnitt gemacht. Doch nun verlassen die Anleger den sicheren Hafen. Seit Jahresbeginn sinkt die Nachfrage nach Gold.

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Ladenhüter. Derzeit sehen Anleger von Käufen ab, sie geben Gold zurück.
Ladenhüter. Derzeit sehen Anleger von Käufen ab, sie geben Gold zurück.Foto: ddp

Frankfurt am Main - Der Glanz ist leicht verblasst und er scheint auch so schnell nicht wieder zurückzukehren. Vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise hat der Goldpreis im vergangenen Jahr um 30 Prozent zugelegt. Anfang Dezember erreichte er mit 1431 Dollar pro Feinunze ein neues Rekordhoch. Doch seit Anfang des Jahres geht die Nachfrage kontinuierlich nach unten. Zwischenzeitlich sind die Notierungen um mehr als 100 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Ende Oktober vergangenen Jahres gefallen. Am Freitag kostete die Feinunze 1348 Dollar. Experten wie Wolfgang Wrzesniok-Roßbach vom Hanauer Edelmetall-Händler Heraeus raten aktuell von Goldkäufen ab, egal ob Fonds, Barren oder Münzen. Erst wenn der Preis um insgesamt um etwa 20 Prozent gesunken sei, könne ein Gold-Investment wieder interessant werden.

Umgekehrt warnt der erfahrene Experte aber auch vor Panik. „Fünf bis zehn Prozent in Gold im Depot sind immer eine gute Versicherung.“ Zwar schließt Wrzesniok nicht aus, dass sich Gold im ersten Quartal noch einmal auf neue Höhen schwingt. Dann aber sei es mit den goldigen Zeiten vorerst vorbei.

Das sehen nicht alle Experten so. Eugen Weinberg von der Commerzbank etwa sieht den Goldpreis Ende des Jahres bei 1600 und Ende 2012 sogar bei 1700 Dollar je Feinunze. Der Grund: Vor allem die Zentralbanken in Asien kaufen weiter Gold. In Indien und China zieht auch die Nachfrage nach Gold für Schmuck weiter an, zumal der Wohlstand in diesen Ländern immer weiter zunimmt. In Indien etwa soll die Nachfrage im Jahr 2010 um 25 Prozent gestiegen sein. Nach Ansicht von Weinberg spielt auch der Wunsch nach einer sicheren Anlage vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in Euroland immer noch eine große Rolle. Auch die steigenden Inflationsraten sprächen weiter für das Edelmetall.

Freilich: Die Signale aus allen Bereichen des Goldmarktes werden derzeit höchst unterschiedlich interpretiert. Nach den vorliegenden Daten und nach der Einschätzung von Wrzesniok-Roßbach nehmen Groß- wie Kleinanleger derzeit nicht nur Abstand von neuen Goldkäufen. Sie geben auch einen Teil ihrer Bestände wieder zurück. Da lässt sich vor allem an den börsengehandelten Goldfonds, den Gold-ETFs, ablesen. Im weltgrößten dieser Fonds, dem SPDR Gold Trust, liegen aktuell noch 1229 Tonnen Gold. Zu Hochzeiten waren es 1320 Tonnen. „Die Anleger schauen verstärkt auf steigende Zinsen und auch auf Aktien und schichten um,“ sagt Wrzesniok. Am vorvergangenen Dienstag verkaufte der SPDR 31 Tonnen Gold, weil Anleger Anteile in Massen zurückgaben. So viel Gold hatte der Fonds noch nie an einem Tag abgestoßen.

Auch von den Schmuckmärkten – nach wie vor die wichtigsten Nachfrager am Goldmarkt – kommen unterschiedliche Signale. Wrzesniok-Roßbach erwartet erst dann wieder Impulse, wenn der Goldpreis noch ein weiteres Stück gefallen ist. Solange würden sich die Menschen in Indien, China und im arabischen Raum mit neuen Schmuckkäufen zurückhalten. Auf der anderen Seite gibt es derzeit aber auch Meldungen, wonach es bei Barren in Indien wegen der anhaltend hohen Nachfrage Wartezeiten gebe. Auch in der Industrie steigt die Nachfrage, wegen der anziehenden Konjunktur. Dies werde die Talfahrt des Goldpreise allerdings nicht stoppen können, sagt Wrzesniok-Roßbach. Mit einem Anteil von 15 Prozent an der gesamten Goldnachfrage sei der Einfluss der Industrie zu gering.

Generell haben sich die Krisenängste weltweit abgeschwächt, auch die Schuldenkrise in Europa steht nicht mehr so im Fokus. Umgekehrt sind die Wirtschaftsprognosen für Europa weiter gut, in den USA haben sie sich etwas aufgehellt. Auch das bremst den Drang in die Krisenwährung und den sicheren Hafen Gold. Freilich: Einen dramatischen Einbruch des Goldpreises auf unter 1000 Dollar je Feinunze sieht Wrzesniok-Roßbach nicht. Für 2011 erwartet er einen Tiefstand von 1190 Dollar. Gold bleibe ein wichtiges Anlagethema. Ganz ausschließen will der Experte aber auch nicht, dass der Preis kurzfristig wieder auf 1550 Dollar steigen könnte. Ganz vorbei wären die goldigen Zeiten damit nicht.

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