Wirtschaft : Anleger setzen auf Trennung

Die Aktie steigt weiter. Eine Bank prüft drei Optionen für die US-Tochter – auch einen Börsengang

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Berlin/Düsseldorf/New York - Die Euphorie an der Börse dauerte auch am Tag nach der Bekanntgabe des Sanierungsplanes für Daimler-Chrysler an. Der Aktienmarkt setzt offenkundig auf eine Trennung von der Chrysler Group. Am Donnerstag stieg der Kurs zeitweise um 6,7 Prozent auf knapp unter 55 Euro. Alles in allem hat der Börsenwert binnen zwei Tagen um etwa ein Zehntel oder 4,2 Milliarden Euro zugelegt. „Die Börse würde am liebsten sehen, wenn Chrysler abgestoßen würde“, hieß es beim Bankhaus Merck und Finck. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat der Konzern die US-Bank JP Morgan beauftragt, drei Optionen für Chrysler zu prüfen: Verkauf, Abspaltung und Börsengang sowie den Status quo. Vorbild für den Börsengang könnte Bayer sein. Die Leverkusener hatten 2004 den Chemiebereich ausgelöst und unter dem Namen Lanxess an die Börse gebracht.

Daniel Schwarz von der Commerzbank sagte auf Anfrage, die Verkaufsoption sei auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Verhandlungen mit den Gewerkschaften über den geplanten Abbau von 13 000 Stellen anstünden. Auch bei der Reduzierung der Gesundheitskosten habe Chrysler noch Gesprächsbedarf mit den Gewerkschaften. Eine Einsparung von 300 bis 400 Millionen Euro sei hier möglich. Schließlich stünden im Sommer Tarifverhandlungen bei Chrysler an.

Kurzfristig glauben Schwarz und andere Bankenvertreter nicht an einen Verkauf, doch langfristig sei eine Umsatzrendite von 2,5 Prozent, wie sie bei Chrysler für das Jahr 2009 angestrebt wird, nicht ausreichend. Schwarz hält deshalb durchaus einen Einstieg von Renault/Nissan für denkbar.

Der Zusammenschluss von Daimler-Benz mit Chrysler vor knapp neun Jahren wird inzwischen auch in den USA als Fehler gesehen. Die Zerlegung des fusionierten Unternehmens in seine ursprünglichen Teile gilt deswegen als logischer Schritt, wenn die Sanierung nicht greifen sollte. Der Firmenkäufer William Ross glaubt, Daimler-Chef Dieter Zetsche werde alles versuchen, um die Rückkehr in die Gewinnzone bis 2008 zu erreichen. Das werde Chrysler potentiellen Käufern gegenüber attraktiv machen.

John Lawson von der Citigroup bewertet Chrysler mit elf Milliarden Euro. Dem stehen allerdings Verpflichtungen für die Gesundheitsversorgung von über 13 Milliarden Euro gegenüber. Trotzdem wäre der Konzern eine ideale Einstiegsmöglichkeit in den US-Markt für chinesische Autohersteller, meint etwa der frühere Manager des Autoteileherstellers Visteon, Anjan Chatterjee.

Auch in den USA setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Zeit der Fusionen in der Autoindustrie vorbei ist. Die erfolgreichsten Unternehmen seien diejenigen, die unabhängig geblieben sind, schreibt die „New York Times“, und nennt als Beispiele Toyota, Honda und BMW. pf/alf/HB

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