Wirtschaft : Anleger sind nicht in Feiertagslaune

Henrik Mortsiefer

Die internationalen Finanzmärkte stehen erneut unter Schock: Öl ist so teuer wie nie – und die Aussichten, dass der Rohstoffpreis nachhaltig sinkt, sind schlecht. Für die Unternehmen bedeutet der Preisanstieg auf mehr als 70 Dollar je Barrel (150 Liter) einen Kostenschub, der Druck auf die Margen ausübt und die Gewinnprognosen gefährdet. An den Börsen wächst deshalb die Unsicherheit. Abzulesen war dies in der Woche vor Ostern am Kursverlauf des Dax. Der Deutsche Aktienindex rutschte wieder unter die Marke von 6000 Punkten und fiel binnen einer Woche auf 5901 Zähler.

Nach den Feiertagen dürfte sich die Nervosität fortsetzen. Die DZ Bank sagt wegen des schwelenden Irankonflikts eine weiter angespannte Lage auf dem Ölmarkt voraus. Der Aktienmarkt dürfte nach Ansicht der Experten weiter „anfällig für leichte Kursrückgänge“ sein. Außerdem sei der April wegen fehlender Unternehmensberichte ein nachrichtenarmer Monat. Will sagen: Gerüchte machen Kurse. Für Anleger ist erhöhte Vorsicht ratsam. Am Ostermontag bleiben die Aktienmärkte in weiten Teilen Europas geschlossen.

Der Fokus wird am deutschen Markt auf den Papieren von SAP liegen. Der Softwarehersteller präsentiert als erstes der 30 Dax-Unternehmen in der kommenden Woche seine Geschäftszahlen für das erste Quartal. Die Erwartungen sind hoch. Sollte SAP mit positiven Nachrichten überraschen, könnte der vom Ölpreis ausgelöste Pessimismus in den Hintergrund treten. „Der Dax dürfte wieder Kurs auf die 6000-Punkte-Marke nehmen“, sagt Kapitalmarktanalyst Kai Stefani von der Fondsgesellschaft Dit.

Ins Blickfeld der Anleger rücken dürfte nach dem Preissprung beim Öl auch die allgemeine Preisentwicklung – und damit die Sorge vor weiter steigenden Leitzinsen. Das Bankhaus Metzler teilt die Befürchtung des Internationalen Währungsfonds, der vor globalen Inflationsrisiken gewarnt hatte. So sei bei der Veröffentlichung der Erzeuger- und Konsumentenpreise in den USA in der kommenden Woche mit negativen Überraschungen zu rechnen, schreiben die Metzler-Analysten. Auch in Deutschland steigen die Erzeugerpreise (neue Daten am Dienstag) kräftig. Im Februar erreichte der Anstieg mit 5,9 Prozent den höchsten Stand seit 1982. Für Anleger ein Warnsignal. Denn: Reagieren die Notenbanken im Sommer mit steigenden Leitzinsen, verlieren Aktien ihre Anziehungskraft.

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