Wirtschaft : Anleger sollen langfristig denken, mahnt der Sparkassen-Verbandschef

Rolf Obertreis

Aus Anlass des gestrigen Weltspartages warnt Dietrich Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (DSGV) vor einer zu starken Fixierung der Anleger auf den Kapitalmarkt und vor einer übermäßigen Gewichtung "auf eine kurzfristig angelegte Form der Gewinnmaximierung". Sparbücher seien heute hoch flexible und den Kunden angepasste Anlageformen.

Hoppenstedt kritisiert am Weltspartag generell den anhaltenden Trend zu kurzfristigen Geldanlagen und den schieren Blick auf schnelle Gewinnmaximierung. Dabei orientiere sich Europa viel zu stark an anglo-amerikanischen Verhältnissen. Dort werde effizienter Kapitaleinsatz mit dem kurzfristig höchsten monetären Ertrag verbunden. "Dies ist leichtfertig, weil es die langfristigen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgekosten nicht berücksichtigt. Das kann auf Dauer nicht effizient sein." Es könne nach Ansicht des DSGV-Präsidenten auch nicht die Basis für dauerhaft stabile Verhältnisse auf den Finanzmärkten sein.

In diesem Zusammenhang warnt Hoppenstedt die EU-Kommission, das Geschehen im europäischen Finanzsektor nur nach streng wettbewerblichen und damit an Gewinnmaximierung ausgerichteten Kriterien zu betrachten. Die deutsche Sparkassenorganisation steht derzeit unter besonderer Beobachtung Brüssels, weil sie angeblich unberechtigte Beihilfen erhalten haben soll und weil die Garantien der öffentlichen Hand für die Sparkassen dem Wettbewerb schaden. In einem Europa der Regionen, so der DSGV-Präsident, müsse man unterschiedliche Lösungen auch im Finanzsektor zulassen. In Deutschland seien Sparkassen und Landesbanken ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Die Sparkassen stünden für eine mittelständische, dezentrale Struktur. "Sie zu schwächen kann nicht im Interesse der Stabilität in Europa sein."

Hoppenstedt kritisierte massiv die derzeitige Werbekampagne der Dresdner Bank (siehe nebenstehender Artikel). Diese Aktion diskreditiere ein Sparmodell und versuche, die Anleger in nur eine Anlageform zu treiben. Ein Gespräch mit der Dresdner Bank habe es aber bislang noch nicht gegeben, sagte Hoppenstedt.

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