Wirtschaft : Anleger suchen Sicherheit

Deutsche Aktien und Anleihen gefragt – Griechenland schrumpft langsamer.

Berlin - Deutsche Aktien und Staatsanleihen sind mehr und mehr bei Investoren gefragt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) näherte sich am Montag bis auf 25 Zähler der Marke von 7000 Punkten, unter die er Anfang April gefallen war. Bereits seit einer Woche nimmt der Dax immer wieder Anlauf, diese Hürde zu überspringen. Am Abend fiel der Index aber zurück und schloss bei 6909 Zählern. Der Euro legte kräftig zu, zuletzt kostete er 1,235 Dollar.

Am Montag lockten gute Nachrichten aus Griechenland Anleger aufs Parkett. Die Wirtschaft des schwer angeschlagenen Euro-Landes ist im zweiten Quartal etwas langsamer geschrumpft als in den sechs Monaten zuvor. In den Monaten April bis Juni 2012 sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,2 Prozent zum Vorjahr gesunken, teilte die Statistikbehörde (Elstat) mit. Damit hat sich die Lage in der griechischen Wirtschaft zuletzt ganz leicht entspannt. Im letzten Quartal 2011 war das BIP um 7,5 Prozent gesunken und im ersten Quartal 2012 um 6,5 Prozent.

Der Absturz der Wirtschaft in dem Mittelmeerstaat hat sich damit das zweite Quartal in Folge abgeschwächt. Volkswirte hatten einen Einbruch des BIP um 7,0 Prozent im Jahresvergleich erwartet. Griechenland ist akut von der Staatspleite bedroht. Der rigide Sparkurs zur Sanierung der Staatsfinanzen sorgt seit Ende 2010 für eine rasante Talfahrt der Wirtschaftsleistung.

Am Aktienmarkt wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank in Kürze ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen verschuldeter Euro-Staaten wieder aufnimmt. Außerdem rechnen Anleger damit, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik erneut lockert. Mit der jüngsten Kurserholung hätten sich die Anleger wieder etwas aus der Deckung gewagt, meint Markus Reinwand von der Helaba. „Per saldo überwiegt dies- und jenseits des Atlantiks gegenwärtig aber noch der Pessimismus.“ Da andere Anlageformen derzeit „ausgesprochen magere Ertragsperspektiven“ böten, bestehe bei deutschen Aktien noch „beachtliches Nachfragepotenzial“.

Am Anleihemarkt müssen sich Anleger, die Sicherheit für ihr Kapital suchen, nach wie vor mit extrem niedrigen Renditen begnügen oder sogar bereit sein, eine Prämie zu zahlen, um ihr Geld sicher parken zu können. Die Auktion von Bundesschatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte am Montag 3,77 Milliarden Euro in die Staatskassen, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur mit. Die Investoren nahmen dafür eine Rendite von durchschnittlich minus 0,0499 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Im Juli lag sie bei minus 0,0344 Prozent. Die Auktion war 1,3-fach überzeichnet, vor einem Monat übertraf die Nachfrage das Angebot um das 1,7-fache. Deutschland profitiert in der Schuldenkrise von seinem Status als sicherer Hafen. Die Kreditwürdigkeit wird von den drei großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet.

Italien musste den Anlegern am Montag hingegen erneut höhere Zinsen für kurz laufende Staatsanleihen bieten. Bei der Auktion von einjährigen Geldmarktpapieren sammelte der klamme Staat wie geplant acht Milliarden Euro ein. Dabei bot Italien den Investoren eine Rendite von 2,76 Prozent, wie die Finanzagentur mitteilte. Bei einer vergleichbaren Auktion im Juli lag der Satz noch bei 2,69 Prozent. Die aktuelle Auktion war 1,7- fach überzeichnet und traf damit auf größeres Interesse der Investoren als eine vergleichbare Versteigerung im Juli, als die Nachfrage das Angebot nur um das 1,5-fache überstieg. Italien muss nach bisheriger Planung dieses Jahr noch rund 150 Milliarden Euro am Markt aufnehmen.

Dabei ist der Schuldenberg des Landes ohnehin riesig – und im Juni weiter gewachsen. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf den Rekordwert von 1972,9 Milliarden Euro, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Angaben der italienischen Notenbank berichtete. Im Mai hatten die Schulden 1966,3 Milliarden Euro betragen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone steckt in einer tiefen Rezession. mot/dpa/rtr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben