Wirtschaft : Anleger trauen Italien noch nicht

Zinsen bleiben hoch, Euro-Kurs sinkt

„Viel Glück, Monti“. Frommer Wunsch zwischen Weihnachtsfiguren in Neapel.Foto: AFP
„Viel Glück, Monti“. Frommer Wunsch zwischen Weihnachtsfiguren in Neapel.Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Silvio Berlusconi ist weg, das Misstrauen der Investoren bleibt. Trotz des Rücktritts des italienischen Ministerpräsidenten am Wochenende ließen sich Anleger am Montag den Kauf einer neuen fünfjährigen italienischen Staatsanleihe teuer bezahlen: Die Rendite stieg auf 6,29 Prozent. Der Euro-Kurs gab im Verhältnis zum Dollar deutlich nach – zuletzt um fast zwei Cent auf 1,36 Dollar. Aktienanleger waren ebenfalls skeptisch und hielten sich mit Käufen zurück.

Der Nachfolger Berlusconis, Ex-EU- Kommissar Mario Monti, stellt in dieser Woche sein Kabinett zusammen. Es soll die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas in den Griff bekommen. Ein entsprechendes Spar- und Sanierungsprogramm war am Samstag vom Parlament verabschiedet worden. Mit der am Montag platzierten Anleihe nimmt Italien drei Milliarden Euro auf.

Parallel erklärte die italienische Großbank Unicredit, Mutter der Hypovereinsbank, im dritten Quartal einen Verlust von mehr als zehn Milliarden Euro eingefahren zu haben. Die Bank kündigte die Streichung von 5200 Stellen und eine Kapitalerhöhung von 7,5 Milliarden Euro an.

Nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kann Italien seine Probleme „noch“ aus eigener Kraft meistern. Entscheidend sei jetzt der „politische Wille“, sagte Weidmann am Montag auf dem Auftakt-Kongress der Euro Finance Week in Frankfurt am Main. Kommentare zu Monti und der Anleiheemission gab Weidmann nicht. Er kritisierte aber Forderungen aus Politik und Wissenschaft, die EZB solle notfalls als letzte Instanz die Gelddruckmaschine anwerfen und Krisenstaaten finanzieren. Es sei eine „absurde Debatte“, wenn Institutionen geraten werde, sich nicht an die Gesetze zu halten, sagte Weidmann mit Blick auf das Verbot der direkten Staatsfinanzierung durch die Geldpolitik. Hilfen für Italien seien kein Thema. Zwar schöpfe das Land seine Wachstumsmöglichkeiten bei weitem nicht aus und der Schuldenstand sei bedenklich hoch. „Aber Italien verfügt über leistungsfähige Unternehmen, vergleichsweise wenig verschuldete private Haushalte und hat vor dem Beitritt zur Währungsunion eine wesentlich höhere Zinslast geschultert und dabei noch beträchtliche Anpassungsleistungen erbracht“, sagte der Bundesbank-Präsident.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann sprach die Entwicklung in Italien nur indirekt an. Insgesamt habe sich der Spielraum der Industrieländer wegen der Schuldenkrise stark eingeengt. Bei Investoren in den Golfstaaten oder in Asien wachse außerdem die Vorsicht vor Investitionen in europäische Staatsanleihen angesichts der gestiegenen Risiken und des Schuldenschnitts für griechische Staatspapiere. Die europäischen Banken drohen nach Ansicht von Ackermann von ihren Rivalen in den USA abgehängt zu werden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Banken nicht überleben oder mit anderen fusionieren, ist höher denn je“, sagte er. „Der Finanzbranche steht ein unruhiges Jahrzehnt bevor.“ Durch zusätzlichen Auflagen der Regulierer und der Politik würden Institute in Europa stärker belastet als Konkurrenten in den USA. ro/rtr/AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar