Wirtschaft : Anleger verlassen die Deutsche Bank

Sparkassen, Volksbanken und die Berliner Bank kaufen Fondsanteile / Viele Kunden greifen zu

Heike Jahberg

Berlin – Sparkassendirektor Michael Huber ist kreativ. Mit einer genialen Marketingidee hat der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Karlsruhe nicht nur seinem Institut scharenweise neue Kunden gebracht. Seitdem Huber begann, Anteile des Not leidenden Deutsche-Bank-Fonds „Grundbesitz-Invest“ aufzukaufen, ist das gesamte deutsche Sparkassenwesen in der Achtung der Anleger gestiegen: Während die Deutsche Bank ihre Kunden im Regen stehen lässt, positionieren sich Sparkassen und Volksbanken als Retter.

Nachdem die Deutsche Bank Real Estate im Dezember überraschend ihren offenen Immobilienfonds schloss, suchen viele Betroffene nach einem Ausweg. Da eine Neubewertung des Fonds ansteht, fürchten sie sich vor einem Kursrutsch, wenn der Fonds – wie angekündigt – im Februar wieder geöffnet wird. Fondsexperten warnen bereits vor Panikverkäufen: „Wenn viele Anleger ihre Anteilsscheine verkaufen, muss der Fonds gleich wieder geschlossen werden“, warnt Fondsanalyst Stefan Loipfinger. Alexandra Merz, geschäftsführende Analystin bei der Fondsratingagentur Scope, hält es sogar für möglich, dass der Fonds überhaupt nicht mehr gehandelt wird, die Deutsche Bank den „Grundbesitz-Invest“ auflöst und die Anleger auszahlt. Der Konzern dementiert, die Finanzaufsicht BaFin äußert sich nicht. „Ob und wann der Fonds wieder geöffnet wird, liegt einzig in der Verantwortung der Fondsgesellschaft“, betont BaFin-Sprecherin Sabine Reimer.

Kein Wunder, dass die Anleger nervös werden. Sparkassen, Volksbanken und die Berliner Bank bieten ihnen jetzt die Chance, mit mehr oder weniger geringen Verlusten auszusteigen. Auch die Postbank nimmt in Einzelfällen Fondsanteile zurück. Seitdem die Sparkasse Karlsruhe vorgeprescht ist, werben jetzt überall in der Republik Sparkassen damit, Kunden den „Grundbesitz-Invest“-Anteil gegen einen Abschlag von zehn Prozent abzunehmen. Bedingung: Der Kunde muss dafür sein Depot- und Girokonto auf das jeweilige Institut übertragen. Und: Die Sparkassen nehmen nur Kunden, die in ihrem Geschäftsgebiet wohnen.

In Berlin haben Anleger die Wahl zwischen den beiden zur Bankgesellschaft gehörenden Instituten Berliner Bank und Sparkasse sowie der Berliner Volksbank. Während die Volksbank aber nur 30 Euro pro Anteil zahlt, sind es bei der Sparkasse und der Berliner Bank jeweils 34,18 Euro (90 Prozent des letzten Wertes gemindert um die reguläre Ausschüttung von 1,35 Euro). Sollte die Abwertung des Fonds weniger als zehn Prozent betragen, erstatten alle drei Berliner Häuser den Differenzbetrag.

Der Rückkauf der Anteile ist bei der Berliner Bank und der Sparkasse auf maximal 50 000 Euro pro Kunde begrenzt. Das Angebot läuft zeitlich unbefristet und ist bei der Berliner Bank auch nicht auf Berliner Kunden beschränkt. Allerdings müssen Anleger persönlich bei einer Filiale der Bank vorsprechen – ein Wechsel per Internet oder Telefon ist nicht möglich.

Kunden, die auf Nummer sicher gehen wollen und ohnedies erwogen haben, ihre Bank zu wechseln, sollten jetzt zugreifen, sagen Anlegerschützer. Wenn ein Institut 90 Prozent des letzten Wertes garantiert, sei das „fair“, sagt Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), rät zum Wechsel – vor allem dann, wenn Anleger das Geld brauchen oder endlich Ruhe haben wollen.

Das scheint bei vielen der Fall zu sein. „Die Resonanz ist sehr groß“, berichtet Constanze Stempel von der Bankgesellschaft. Auch Michael Huber macht jetzt Überstunden und arbeitet die vielen Termine für Beratungsgespräche ab. Fast jedes Gespräch endet damit, dass die Sparkasse einen neuen Kunden begrüßen kann. Die meisten kommen von der Deutschen Bank, mit der sie nichts mehr zu tun haben wollen, und viele bringen eine Stange Geld mit. „Anlagesummen von 250 000 Euro sind keine Seltenheit“, freut sich Huber.

Die Deutsche Bank hat dem nichts entgegenzusetzen. Sie bleibt dabei, dass die Fondsanteile derzeit nicht zurückgegeben werden können, nimmt jedoch Vormerkungen für spätere Verkäufe entgegen. In Einzelfällen wird mit zinsgünstigen Krediten ausgeholfen, falls Kunden den Verkauf der Fondsanteile für die Baufinanzierung fest eingeplant hatten oder in Erwartung der Fondserlöse bereits neue Wertpapiere gekauft haben. DSW-Sprecher Kurz kann sich über ein solches Geschäftsgebaren nur wundern: „So billig wie jetzt bekommt die Konkurrenz nie wieder neue Kunden.“

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