Wirtschaft : Anleger verloren 2004 bis zu 85 Prozent

Aktionärsschützer stellen Liste der größten Kapitalvernichter vor / Kein Dax-Unternehmen darunter

Anselm Waldermann

Berlin – Das Technologieunternehmen Augusta führt nach Ansicht von Aktionärsschützern die Liste der 50 größten deutschen Kapitalvernichter an. Aktionäre dieser Gesellschaft mussten im vergangenen Jahr ein Minus von 85,7 Prozent verkraften, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag in Berlin mitteilte. Aber auch bei anderen Firmen der DSW-Liste kamen Anleger auf zum Teil erhebliche Verluste. Der Blick auf die vergangenen fünf Jahre sei für viele Aktionäre „vor allem ein Blick zurück im Zorn“, sagte der Hauptgeschäftsführer der DSW, Ulrich Hocker.

Die DSW hat insgesamt 372 im Prime Standard der Deutschen Börse gelistete Unternehmen untersucht. Zugrunde gelegt wurde der Schlusskurs im jeweiligen Jahr. In die Rangfolge der Liste sind die Wertverluste im einfachen Jahresvergleich sowie im Dreijahres- und im Fünfjahresvergleich mit eingeflossen. Daher stehen teilweise auch Firmen auf der Liste, die zumindest 2004 positiv abgeschlossen haben. Im Fünfjahresvergleich lieferte der Softwareentwickler Fantastic die schlechteste Performance ab: Pro Jahr verloren Anleger hier 71,1 Prozent. Im Dreijahresvergleich wurde die zweifelhafte Ehre dem Windparkbetreiber Plambeck Neue Energien mit einem jährlichen Minus von 67 Prozent zuteil.

Analysiert hat die DSW nur Unternehmen, die fünf Jahre und länger an der Börse sind. So erklärt sich, dass einige Firmen des Neuen Markts noch nicht auf der DSW-Liste für 2003 standen. Diese „Überlebenden des Neuen Markts“ sind Hocker zufolge nun im Jahr 2004 „ganz vorne mit dabei“.

Als erfreulich bezeichnete Hocker, dass auf der diesjährigen DSW-Liste kein einziger Dax-30-Wert mehr vertreten ist. Vor einem Jahr waren mit der Allianz, Bayer, der Deutschen Telekom, der Hypo-Vereinsbank, der Münchner Rück und Tui noch sechs der Schwergewichte unter den größten Kapitalvernichtern. „Hintergrund dürfte die anspringende Konjunktur sein“, erklärte Hocker. „Die Börse hat die Rezession für beendet erklärt.“ Davon profitierten an erster Stelle die Aktien der großen Unternehmen. „Kleinere Gesellschaften spüren diesen Rückenwind in der Regel erst später.“

Der M-Dax hingegen ist in der aktuellen Liste wieder mit fünf Aktiengesellschaften vertreten: Wie schon im Vorjahr waren das WCM, Karstadt-Quelle, SGL Carbon und MLP. WCM konnte sich allerdings vom ersten Platz auf Platz 18 verbessern. Neu hinzugekommen ist Medion, nicht mehr mit dabei ist Douglas.

Hocker betonte allerdings, dass Anleger die aufgeführten Unternehmen nicht unbedingt meiden müssten. „Die Investition in ein solches Unternehmen kann durchaus Sinn machen.“ Schließlich werde in der Regel gerade mit Turnaround-Kandidaten das meiste Geld verdient. „Allerdings ist das sehr risikoreich“, räumte Hocker ein.

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