Wirtschaft : Anleger wetten gegen bwin

Dem Glücksspielkonzern könnte in Sachsen das Geschäft untersagt werden

Corinna Visser

Berlin - Die Anleger haben ihre Wette schon platziert. Sie erwarten offenbar, dass das sächsische Innenministerium dem Wettbüro bwin verbieten wird, in Deutschland weiter Sportwetten anzubieten. bwin mit Sitz im sächsischen Neugersdorf gehört zum Wiener Glücksspielkonzern bwin Interactive Entertainment, besser bekannt unter dem alten Namen Betandwin. Am Mittwoch verlor die bwin- Aktie an der Wiener Börse zeitweise mehr als 30 Prozent. Doch noch ist nicht klar, was das sächsische Innenministerium auf einer für den heutigen Donnerstag angekündigten Pressekonferenz mitteilen wird: „Wir sind mitten in der juristischen Prüfung“, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Dresden dem Tagesspiegel. Es gehe dabei „um die Untersagung des Gewerbes“.

In fast allen Bundesländern versuchen die Behörden derzeit, die privaten Wettanbieter zurückzudrängen. Anlass ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom März. Das entschied zwar, dass das staatliche Glücksspielmonopol in der jetzigen Form verfassungswidrig ist. Es hat den Bundesländern aber die Möglichkeit gegeben, bis Ende 2007 die Regeln zu ändern. Ein Monopol kann demnach damit gerechtfertigt werden, dass die Bürger vor den Gefahren der Wett- und Spielsucht sowie vor der Folge- und Begleitkriminalität geschützt werden sollen. Dann darf es dem Staat aber auch nicht in erster Linie darum gehen, Einnahmen aus dem Geschäft mit Lotto und Oddset zu erzielen. Anderenfalls muss er private Anbieter zulassen. Auf einer Konferenz im Juni haben die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, das staatliche Lotteriemonopol zu erhalten und „weiterzuentwickeln“. Bis es einen neuen Lotteriestaatsvertrag gibt, wollen sie „konsequent gegen illegale Sportwetten mit den Mitteln des Ordnungs- und Strafrechts“ vorgehen. Darauf bezieht sich nun auch Sachsens Innenministerium.

Seit Jahren schon wächst die Zahl der Wettbüros in Deutschland. Sie umgingen das staatliche Monopol, indem sie Wetten nicht selbst anbieten, sondern an ausländische Anbieter vermitteln. Allein in Berlin gibt es nach Angaben der Senatsverwaltung für Finanzen 330 Wettbüros. Sie alle sind nach Auffassung des Senats illegal und haben jetzt eine Untersagungsverfügung erhalten. Sechs Wettbüros seien bereits geschlossen worden. „Weitere Schließungen werden derzeit vorbereitet“, sagte ein Sprecher des Finanzsenators dem Tagesspiegel. „Es gibt keine Rechtsgrundlage, mit der man diese Geschäfte hier betreiben darf, weder das Vermitteln noch das Anbieten von Sportwetten ist gestattet.“

Dabei geht es um viel Geld. Auf etwa 30 Milliarden Euro im Jahr wird der deutsche Glücksspielmarkt derzeit geschätzt. „Deutschland ist auf dem Gebiet noch ein Entwicklungsland“, sagt Analyst Michael Schmid von der Unternehmensberatung Goldmedia. Er erwartet vor allem im Online-Bereich zweistellige Zuwachsraten. Heute setzten die Menschen hierzulande pro Kopf und Jahr etwa 30 Euro für das Wetten ein, in Großbritannien sind es bereits etwa 630 Euro.

Auch für bwin ist Deutschland ein wichtiger Markt, sagt eine Unternehmenssprecherin in Wien. Genaue Zahlen für einzelne Märkte nennt das Unternehmen nicht. „Wir können uns nicht erklären, unter welchem Titel uns die Behörde die Erlaubnis entziehen will“, sagte die Sprecherin. 60 Arbeitsplätze hängen an dem Geschäft in Sachsen. Und auch für eine Reihe von deutschen Sportvereinen wäre ein Verbot von bwin in Deutschland eine schlechte Nachricht. Unter anderem ist bwin Hauptsponsor bei Werder Bremen und 1860 München. Aber auch die Basketball- und die Handball-Bundesliga fürchten um Einnahmeverluste im sechsstelligen Bereich – pro Liga. Bei bwin bleibt man dagegen gelassen. „Im Internet ist bwin.com nur zwei Klicks entfernt vom deutschen Angebot.“

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