Anlegerfrage : Sind Hedgefonds gefährlich?

An Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

an Malte Diesselhorst

Hedgefonds verwalten weltweit ein Vermögen von mehr als einer Billion Dollar. Schieflagen einiger Fonds haben zuletzt die Sorge wachsen lassen, dass ein möglicher Zusammenbruch das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen könnte. Wie gefährlich sind Hedgefonds?

Hedgefonds sind Kapitalsammelstellen mit weitgehend freien, von Fonds zu Fonds sehr unterschiedlichen Anlagestrategien. Tatsächlich existieren heute weltweit etwa neuntausend Hedgefonds, die nach Schätzungen ein Viertel bis zur Hälfte des täglichen Handels an großen Börsen verantworten. Das eigentliche Risiko liegt darin, dass die Fonds oft eng mit Banken verflochten sind, die ihre Aktivitäten über Darlehen finanzieren. Der Zusammenbruch eines großen Hedgefonds könnte deshalb auch die finanzierenden Banken in Schwierigkeiten bringen.

Eine wichtige Forderung in diesem Zusammenhang ist deshalb mehr Transparenz. Diskutiert wird eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hedgefonds zur Offenlegung ihrer Geschäftsmodelle. Möglich wäre auch ein Rating, das den finanzierenden Kreditinstituten die Einschätzung der Risiken einzelner Hedgefonds erleichtern würde. An der kurzfristigen Umsetzbarkeit solcher Vorschläge sind Zweifel jedoch angebracht.

Trotz der bestehenden Intransparenz weisen viele Experten nicht nur auf die Risiken der Hedgefonds hin, sondern auch auf deren volkswirtschaftliche Funktion. Eine zu enge nationale Reglementierung ist danach kaum sinnvoll und in Zeiten der Globalisierung auch nicht realistisch. Wirklich hilfreich wären nur internationale Regeln.

Anleger erhalten gute Hinweise auf Hedgefonds-Aktivitäten über die erst kürzlich gesenkten gesetzlichen Meldeschwellen für die Beteiligung an börsennotierten Aktiengesellschaften. Aktionäre erfahren danach früher, dass und in welchem Umfang sich ein Hedgefonds an einem Unternehmen beteiligt hat – und können ihre Schlüsse daraus ziehen.

Schließlich haben risikobereite Anleger auch die Möglichkeit, in Hedgefonds zu investieren und so selbst von deren Aktivitäten zu profitieren. In Deutschland sind allerdings nur Dach-Hedgefonds zum Vertrieb zugelassen, die sich ihrerseits an Hedgefonds beteiligen.

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