Wirtschaft : Anlegerschützer warnen vor Pfusch am Bau

FRANKFURT (MAIN) (ro). Vermeidbare Bauschäden in Deutschland verursachen nach Berechnungen der Bundesregierung jedes Jahr volkswirtschaftliche Verluste in Höhe von 20 Mrd. DM. Betroffen durch diesen "Pfusch am Bau" sind nicht nur private Wohnungs- und Hauskäufer, die das neue Eigentum selbst nutzen, sondern auch Kapitalanleger, die in Immobilien investieren. Um so wichtiger wird es nach Ansicht von Heinz Gerlach, der sich seit Jahren mit seinem Unternehmen Direkter Anlegerschutz um die Anliegen privater Investoren kümmert, dieses Problem entschiedener anzugehen. Gemeinsam mit dem Berliner Architekten Reinhard Müller und dem TÜV Süddeutschland hat Gerlach jetzt zwei Checklisten erarbeitet, mit deren Hilfe Immobilienkäufer die Qualität von Neubauten oder von Altbaumodernisierungen überprüfen können.Heinz Fritsch, der zuständige Manager Bau beim TÜV Süddeutschland, bestätigte den Bauschadensbericht der Bundesregierung. Seit elf Jahren kontrolliert er neue oder renovierte Immobilien und stellt dabei eine zunehmend schlechtere Bauqualität fest. Extrem sei die Situation derzeit vor allem beim Sanierungsbau in den neuen Bundesländern. An vielen Objekten, so Fritsch, blieben zum Teil erhebliche Mängel im Verborgenen, etwa beim Holz- und Feuchtschutz. "Die Hauptursache für diese erschreckende Qualitätstendenz im Bau liegt in den stark gesunkenen Baupreisen und den verkürzten Bauzeiten", glaubt Fritsch. Oft würden billige Subunternehmen eingesetzt, mitunter werde sogar an der Bauleitung gespart.Um so wichtiger ist nach Einschätzung der Initiatoren eine unabhängige Überprüfung der Bauqualität. Der TÜV Süddeutschland macht dies seit Jahren und kann dadurch nach Angaben von Fritsch 40 Prozent der Baufehler bereits in der Planung ausmerzen. Auch in der Bauphase kontrolliert der TÜV Süddeutschland die Objekte regelmäßig. Am Schluß werden die Bauvorhaben zertifiziert.Mit den neuen Checklisten sollten Privatanleger oder Wohnungs- und Hauskäufer auf den Bauträger oder Immobilienverkäufer zugehen und um Beantwortung der dort aufgeführten Fragen bitten, empfehlen Gerlach und Fritsch. 90 Prozent der Ausstattungsqualität könnten dadurch überprüft werden. "Bei den Anbietern, die hochwertige Bauausführungen und Gebäudeausstattungen liefern, besteht erfahrungsgemäß eine hohe Bereitschaft, Transparenz zu schaffen", ist sich Gerlach sicher. Damit könnten sich die Firmen von leistungsschwächeren Wettbewerbern abgrenzen. Angefordert werden können die Checklisten bei Direkter Anlegerschutz, Postfach 21 69, 61441 Oberursel, Telefon 06171/6370-0.

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