Anleihen : Deutschland nimmt neue Schulden zum Nulltarif auf

Finanzminister Schäuble darf sich freuen: Deutschland hat erstmals für zwei Jahre neue Schulden aufgenommen, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Wegen der Eurokrise war die Nachfrage der Anleger dennoch hoch.

Gute Nachrichten für Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Neue Schulden zum Nulltarif
Gute Nachrichten für Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Neue Schulden zum NulltarifFoto: dpa

Bei einer Versteigerung zweijähriger Bundesschatzanweisungen mit einem Zinskupon von null Prozent lag die erzielte Rendite bei 0,07 Prozent, wie die Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Dies ist der tiefste jemals erzielte Effektivzins in diesem Laufzeitbereich. Die kleine positive Nominalverzinsung kam nur deswegen zustande, weil die Anleger die Anleihe zu einem Kurs unter dem Nennwert des Papiers erhielten. Die reale Verzinsung liegt bei einer aktuellen Inflationsrate von 2,1 Prozent deutlich im negativen Bereich. Das bedeutet, dass die Investoren über die Laufzeit hinweg Vermögensverluste erleiden.
Die Nachfrage nach dem neuen Papier war dennoch hoch. Sie hätte ausgereicht, um deutlich mehr als das Angebot unterbringen zu können. Insgesamt nahm der Bund mit der Auktion 4,555 Milliarden Euro auf. Der Restbetrag soll über die sogenannte Marktpflegequote am freien Markt angeboten werden, damit auch Kleinanleger zugreifen können. Somit steigt das Gesamtvolumen der Emission auf fünf Milliarden Euro.

Deutschland gilt als einer der letzten verlässlichen Kreditnehmer im Währungsraum. Aus diesem Grund laufen die Anleger bereits seit Monaten in Scharen den „sicheren Hafen“ deutscher Staatsanleihen an.


Euro-Krisenländer wie Spanien und Italien müssen über alle Laufzeiten hinweg viel höhere Zinsen als Deutschland bieten, um frisches Kapital anzulocken. Besonders drastisches Beispiel: Für 30-jährige Schulden muss Deutschland aktuell gerade mal zwei Prozent bieten - das ist deutlich weniger als viele südeuropäische Länder für zwei Jahre oder noch geringere Laufzeiten zahlen müssen. (dpa)

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