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Anleihenkäufe gedrosselt : US-Notenbank fährt Konjunkturprogramm zurück

Die US-Notenbank macht erste Abstriche an ihrer extrem lockeren Geldpolitik. Die monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren würden reduziert. Die Aktienmärkte reagieren zunächst positiv

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Ben Bernanke. Chef der US-Notenbank, bei einer Zeremonie am 16. Dezember.
Ben Bernanke. Chef der US-Notenbank, bei einer Zeremonie am 16. Dezember.Foto: AFP

Dass es dann doch so schnell geht, damit hat kaum jemand gerechnet: Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwochabend deutscher Zeit den langsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik der USA verkündet. Bereits ab Januar werde die Fed ihre Anleihekäufe zurückfahren, sagte er im Anschluss eines zweitägigen Treffens der Notenbanker in Washington. Analysten hatten eine solche Ansage frühestens für März oder April erwartet.

Um die Wirtschaft anzukurbeln, hat die Fed in den vergangenen Monaten in großem Umfang Geld in den Markt gepumpt, in dem sie den US-Banken Staatsanleihen und Hypothekenpapiere abkaufte. Den Banken hat das mehr Spielraum verschafft, sie konnten so leichter Kredite an Unternehmen vergeben. Bis jetzt hat die Notenbank jeden Monat Anleihen für 85 Milliarden Dollar aufgekauft. Diese Summe wird sie ab dem Jahreswechsel vorerst um zehn Milliarden Dollar zurückfahren.

Wie es danach weitergeht, werde spontan entschieden, sagte Bernanke. Man wolle abwarten, wie sich die Drosselung der Konjunkturspritzen auf die Wirtschaft auswirke. Derzeit seien die Zahlen gut: Die amerikanische Wirtschaft wachse, die Arbeitslosigkeit sinke. Gehe das so weiter, könnte das Anleiheprogramm schon bald noch stärker zurückgefahren werden. Würde sich das Wirtschaftswachstum dagegen überraschend abschwächen, ziehe die Fed die Notbremse und warte erst einmal ab. Bernanke nennt das „moderate Schritte“.

Gleichzeitig versprach der Notenbankchef, den Leitzins vorerst auf dem historischen Tiefststand von Null bis 0,25 Prozent zu belassen. Das, so scheint seine Hoffnung, werde mögliche negative Effekte auf die Beschäftigung dämpfen. Man werde die Zinsen so lange niedrig halten, bis die Arbeitslosigkeit in den USA unter die Marke von 6,5 Prozent gefallen ist.

Bernanke und seine Kollegen dürften sich die Entscheidung über ein Ende ihrer lockeren Geldpolitik nicht einfach gemacht haben. Aus Erfahrung wissen sie: Es reicht ein Satz aus dem Mund von Ben Bernanke, um die Börsen weltweit auf Talfahrt zu schicken. Als der Fed-Chef im Mai erstmals angekündigt hatte, das Anleiheprogramm werde bald auslaufen, waren die Kurse sofort abgestürzt.

Für Ben Bernanke war es am Mittwoch einer der letzten öffentlichen Auftritte als Notenbankchef. Er wird das Amt Ende Januar an die amerikanische Ökonomin Janet Yellen abgeben. Die, sagte Bernanke am Mittwoch, würde die jetzt getroffene Entscheidung voll mittragen. Einerseits ist das wenig überraschend, da sie Bernanke bereits seit drei Jahren als Vizechefin der Fed zur Seite steht. Andererseits dann wiederum doch – denn die 67-Jährige gilt unter den Notenbankern als eine starke Verfechterin einer lockeren Geldpolitik.

Die Börsen reagierten durchweg positiv auf Bernankes Ankündigung. Der amerikanische Index Dow Jones stieg um fast zwei Prozent auf 16 168 Punkte. Und auch der X-Dax, der außerbörsliche Indikator für den deutschen Aktienmarkt, legte zu: Er kletterte um 1,9 Prozent auf 9275 Punkte. Die Aktienhändler scheinen daran zu glauben, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung in den USA trotz der langsam auslaufenden lockeren Geldpolitik weiter fortsetzen wird. Und ihnen scheint auch klar: Die Fed betreibt eine Politik der kleinen Schritte – bis das Anleiheprogramm vollständig ausläuft, dauert es noch. Druck übte die Entscheidung dagegen auf die Rentenmärkte aus. Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen sank.

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