Anruf beim Ministerpräsidenten : Auf dem kurzen Dienstweg

17.12.2012 13:44 Uhr
“Wir brauchen den Kulturwandel deshalb nicht nur in der Deutschen Bank, sondern auch in der deutschen Politik", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Gerhard Schick. Foto: dpa
“Wir brauchen den Kulturwandel deshalb nicht nur in der Deutschen Bank, sondern auch in der deutschen Politik", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Gerhard... - Foto: dpa

Der Beschwerde-Anruf des Deutsche Bank-Chefs Fitschen bei Hessens Ministerpräsident Bouffier empört die Politik. Doch der Anrufer hatte wohl Grund zur Annahme, dass er einen guten Draht zum Ministerpräsidenten hat.

Die Beschwerde von Deutsche Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über die Großrazzia in der vergangenen Woche stößt parteiübergreifend auf Kritik. “Die Banken schreien geradezu jeden Tag mit ihrem Verhalten nach einer strikteren Regulierung“, sagte der stellvertetende SPD-Fraktionschef Joachim Poß am Montag zu Reuters.

Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass die staatlichen Stellen alle Möglichkeiten nutzten, um Betrügereien aufzuklären. “Man ist fassungslos, wie oft die Deutsche Bank ins Gerede gerät, das steht in einem starken Kontrast zu ihrer öffentlichen Selbstdarstellung“, sagte Poß: “Herr Fitschen muss die Altlasten der Deutschen Bank in einer anderen Weise bewältigen.“ Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause gehören zu den 25 Mitarbeitern der Deutschen Bank, gegen die in der Affäre um Steuerbetrug im Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten ermittelt wird. Am Mittwoch hatten rund 500 Polizisten und Steuerfahnder die Frankfurter Zentrale der Bank durchsucht.
Dem “Spiegel“ zufolge beschwerte sich Fitschen in einem Anruf bei Bouffier über den Einsatz. Die Deutsche Bank bestätigte den Anruf, wollte sich zum Inhalt des Gesprächs aber nicht äußern.
Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Gerhard Schick, sagte Reuters: “Herr Fitschen hatte wohl Grund zu der Annahme, dass die alte Verbindung zur hessischen Landesregierung wie gewohnt funktioniert.“ Niemand solle so naiv sein zu meinen, dass der gute Draht zwischen Großbanken und Regierungen in der Finanzkrise 2008 gekappt worden sei: “Wir brauchen den Kulturwandel deshalb nicht nur in der Deutschen Bank, sondern auch in der deutschen Politik, vor allem auch in Hessen.“ (Reuters)

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