Wirtschaft : Anrufe zum Handy werden billiger

Bundesnetzagentur ordnet Preissenkung an – den Festnetzgesellschaften ist die nicht groß genug

Corinna Visser

Berlin - Anrufe zum Handy könnten schon bald um einige Cent billiger werden. Die Bundesnetzagentur hat die Mobilfunknetzbetreiber verpflichtet, die Preise für Gespräche, die in ihren Netzen enden, zu senken. T-Mobile darf künftig nur noch 8,8 Cent je Minute, die kleineren Konkurrenten E-Plus und O2 9,9 Cent für die Durchleitung von Telefonaten in ihre Netze verlangen. Das teilte die Bundesnetzagentur mit. Die Entscheidung für Vodafone steht noch aus, da der Anbieter seine Unterlagen später eingereicht hat.

Die bis November 2007 festgelegten Entgelte gelten zwar nur für die Verrechnung der Leistungen der Telefongesellschaften untereinander. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Firmen die Preissenkung um 2,2 Cent in das T-Mobile-Netz sowie von 2,5 Cent in die Netze von E-Plus und O2 weitergeben. „Natürlich werden wir die Preissenkung zeitnah in neuen Angeboten an unsere Kunden weitergeben“, sagte eine Sprecherin von E-Plus dem Tagesspiegel. Andere Unternehmen prüfen das noch.

Die Preisvorgabe der Bundesnetzagentur ist der erste Eingriff des Regulierers in den Mobilfunkmarkt. Behördenpräsident Matthias Kurth hatte die vier Netzbetreiber aufgefordert, sich freiwillig auf eine Preissenkung zu einigen. Denn im europäischen Vergleich sind Anrufe zum Handy in Deutschland teuer. Doch dazu kam es nicht, weil E-Plus eine stärkere Preissenkung wollte, vor allem einen deutlicheren Abstand zwischen den Preisen für die Marktführer und die beiden kleineren Betreiber. E-Plus und O2 dürfen mehr Geld verlangen, weil sie deutlich später gestartet sind. „Wir korrigieren mit der Entscheidung eine Schieflage im Wettbewerb, die zwischen dem Mobilfunk und dem Festnetz besteht, und verschaffen allen Beteiligten Rechts- und Planungssicherheit“, sagte Behördenchef Kurth. Die Festnetzbetreiber sehen das anders: Eine herbe Enttäuschung nannte Peer Knauer, Chef von Versatel und dem Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), die Entscheidung. „Alles sprach eigentlich dafür, auf eine Größenordnung von fünf Cent herunterzugehen“, sagte Knauer. „Was wir hier jetzt sehen, ist ein völlig unnötiger Kniefall vor den großen Mobilfunkbetreibern.“

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