Wirtschaft : Anrufer legen Minijob-Zentrale lahm

Zehntausende Bürger wollen ihre Haushaltshilfen anmelden. Viele kommen nicht durch, denn die Servicestelle ist überlastet

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Berlin (hej). Chaotische Zustände bei der MinijobZentrale: Aus Angst vor dem geplanten Schwarzarbeits-Gesetz versuchen in diesen Tagen viele Bürger, ihre Haushaltshilfen offiziell anzumelden und somit zu legalisieren. Doch die Service-Stelle in Cottbus ist dem Ansturm nicht gewachsen. Die Anrufer müssen sich auf lange Wartezeiten gefasst machen, die sie in der Warteschleife verbringen. Aber vielen Verbrauchern hilft auch Geduld nicht weiter: „Ein Teil der Anrufer wird auf unsere Bandansage weitergeleitet“, räumt Volker Meier von der Bundesknappschaft ein, die die Minijob-Zentrale betreibt. Die Bandansage fordert die Bürger dann auf, der Minijob-Zentrale ein Fax zu schicken. Doch viele Haushalte haben weder Fax noch Internet und geben frustiert auf.

„Die Regierung kann nicht erst die Leute verunsichern und ihnen hohe Geldstrafen androhen und den Betroffenen dann den Zugang zu den Informationen erschweren“, kritisiert Carel Mohn, Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv). „Wenn man tagelang nicht durchkommt, hört der Spaß auf“, meint der Verbraucherschützer.

Der Ansturm auf die Auskunftsstellen der Minijob-Zentrale kommt nicht von ungefähr. Vor wenigen Tagen wurden Pläne der Bundesregierung bekannt, Schwarzarbeit stärker zu ahnden. Auch private Haushalte sollen von der Neuregelung erfasst werden, die im Sommer in Kraft treten soll. Zugleich appelliert die Regierung an Privatleute, ihre Haushaltshilfen ordnungsgemäß anzumelden und so zu legalisieren. Verdient die Putzfrau oder die Babysitterin nicht mehr als 400 Euro im Monat, ist dafür die Minijob-Zentrale zuständig.

Von dieser Möglichkeit scheinen im Moment Zehntausende Gebrauch machen zu wollen. „Ganz Deutschland will derzeit Haushaltshilfen anmelden“, sagt Volker Meier von der Bundesknappschaft. Bis zu 25000 Menschen rufen im Moment täglich bei der Minijob-Zentrale an, üblich sind 7000 bis 10000 Anrufe. 42000 E-Mails hat die Minijob-Zentrale in den ersten zwölf Januar-Tagen bereits bekommen, sonst sind es 10000 im gesamten Monat. Und auch das Fax-Gerät steht nicht mehr still. Die 105 Mitarbeiter im Service-Center in Cottbus sind heillos überfordert.

Die Bundesknappschaft versucht jetzt gegenzusteuern und schichtet Personal intern um. Außerdem wird für 51 Stellen, die bereits genehmigt, aber mit einem Sperrvermerk belegt waren, die Sperre aufgehoben. Diese Stellen sollen jetzt kurzfristig besetzt werden, heißt es bei der Bundesknappschaft. Eine weitere Aufstockung ist jedoch nicht in Sicht. Das zuständige Bundessozialministerium verweist auf die Bundesknappschaft.

Angesichts des Chaos bei den Mini-Jobs fordert die FDP eine grundlegende Neuorientierung bei haushaltsnahen Dienstleistungen. „Man muss die steuerliche Diskriminierung von Arbeit im Haushalt beenden“, meint der Sprecher für Arbeitsmarktpolitik, Dirk Niebel. Auch Privatleute sollten die Kosten für ihre Haushaltshilfen voll von der Steuer absetzen können, sagte Niebel dem Tagesspiegel. Derzeit geht das nur in begrenztem Maße. Daher würden viele Auftraggeber in die Illegalität ausweichen und ihre Hilfskräfte schwarz beschäftigen. Niebel hält das arbeitsmarktpolitisch für fatal. „Es ist doch egal, ob neue Jobs in der Industrie, im Handwerk oder in privaten Haushalten entstehen“, meint der FDP-Politiker.

Die Hotline der Minijob-Zentrale ist montags bis freitags von sieben bis 19 Uhr unter der gebührenfreien Rufnummer 08000/200504 oder per Fax unter der Nummer 0201/384979797 erreichbar. Im Internet können Sie das Anmeldeformular für 400-Euro-Jobs, den so genannten Haushaltsscheck, unter www.minijob-zentrale.de herunterladen. Per Post erreichen Sie die Minijob-Zentrale unter „Bundesknappschaft, Minijob-Zentrale, 45115 Essen“.

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