Wirtschaft : Anstieg der Spritpreise vorerst gestoppt

Euro bleibt auf Vier-Monats-Tief – Experten erwarten trotzdem nicht, dass Benzin zu Ostern teurer wird

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Berlin (pet). Trotz des niedrigen EuroKurses und der nahenden Feiertage gehen Experten nicht davon aus, dass der Sprit an deutschen Tankstellen teurer wird. „Ich rechne nicht mit neuen Rekordpreisen zu Ostern“, sagte Rainer Wieck vom Energie-Informationsdienst (EID) dieser Zeitung am Dienstag. Auch Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg glaubt nicht an große Preisbewegungen: „Es wird keinen Preissprung geben“, sagte sie. Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die die Entwicklung noch umdrehen könnten.

Viel deutet darauf hin, dass der Spritpreis steigen könnte. In der vergangenen Woche hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) beschlossen, die Fördermenge ab April deutlich zu drosseln. Wenn sich das Angebot verknappt, steigt normalerweise der Ölpreis – und in der Folge auch der Benzinpreis an den deutschen Tankstellen. Auch der im Verhältnis zum Dollar sinkende Euro-Kurs könnte das Benzin teurer machen, denn Öl und Benzin werden in Dollar gehandelt. Der Euro war am Montag unter 1,20 Dollar gefallen – und damit auf den tiefsten Stand seit vier Monaten. Nach Ansicht von Börsianern spricht vieles dafür, dass die europäische Gemeinschaftswährung noch schwächer wird. Auch darum warnt der Autofahrerverband ADAC – wie immer vor Feiertagen – vor steigenden Benzinpreisen zu Ostern. Es sei nicht auszuschließen, dass der Spritpreis zeitweise in die Nähe des historischen Allzeithochs von rund 1,16 Euro klettern könnte, das er im Februar 2003 im Vorfeld des Irak-Kriegs erreicht hatte, sagte ADAC-Verkehrspolitiker Jürgen Albrecht dem „Handelsblatt“.

Der Staat kassiert mit

Tatsächlich machen die Öl- und Benzinpreise genau das Gegenteil von dem, was die Experten erwartet haben: Sie sinken. Der Korbpreis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl sank nach OPEC-Angaben zum Wochenbeginn erstmals seit Februar unter die Marke von 30 Dollar. Auch der Preis für Benzin ging übers Wochenende um zwei bis drei Cent pro Liter zurück. Dienstag kostete der Liter Normalbenzin im Schnitt noch 108,9 Euro.

Nach Einschätzung der Experten wird der Öl- und Benzinpreis auch in den nächsten Monaten weiter nach unten gehen. Das liegt daran, dass der Anteil des Ölpreises am Benzinpreis laut ADAC nur zwanzig Prozent ausmacht. Außerdem kassiert der Staat an den Tankstellen kräftig mit. Seit im Januar 2004 die fünfte Stufe der Ökosteuerreform in Kraft getreten ist, fließen je Liter Benzin 0,65 Cent Mineralölsteuer in die Schatulle des Finanzministers. Zusätzlich wird Mehrwertsteuer fällig. Viel Spielraum bei der Preisgestaltung bleibt den unter starkem Wettbewerbsdruck stehenden Mineralölgesellschaften in Deutschland daher nicht. „Der Preisanteil, der über den Wettbewerb geregelt wird, ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ klein“, sagt EID-Experte Wieck. Auch der Deutschland-Geschäftsführer des französischen Mineralölkonzerns Total, Thierry Pfimlin, sagt: „Die Tankstellenmarge ist wegen des harten Wettbewerbs nirgendwo in Europa so niedrig.“

Auch darum schlägt ein fallender Euro-Kurs nicht automatisch auf den Benzinpreis durch. „Wenn der Euro-Kurs auf 1,15 Cent runterginge“, rechnet Klaus Matthies vom Hamburger Weltwirtschafts-Archiv (HWWA), „dann würde sich der Benzinpreis um rund 1,5 Cent verteuern.“ Auch Dienstag lag der Euro-Kurs in der Nähe des Vier-Monats-Tief vom Montag. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs auf 1,2090 US-Dollar für den Euro fest. Vor allem der überraschende Stellenzuwachs in den USA im März hatte den Verlust ausgelöst. Die positiven US-Arbeitsmarktdaten nährten nach Meinung von Börsianern Spekulationen über eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Das würde Anlagen in US-Dollar wieder attraktiver machen – zu Lasten des Euro.

Für den Benzinpreis gibt es aber trotzdem noch Unsicherheitsfaktoren, warnt Ölexperte Matthies vom HWWA. „Wenn etwas passiert in der Welt, wie ein neuer Anschlag, wird das den Benzinpreis teurer machen.“ Mit Spannung schaut der Markt auch auf die USA, die mangels ausreichender Raffineriekapazitäten ihre Benzinvorräte immer mal wieder in Europa auffüllen. „Das könnte einen Einfluss auf die Benzinpreise haben“, sagt Matthies, „allerdings nur im Centbereich.“

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