Wirtschaft : Anteil der Aktien auf ein vertretbares Maß zurückführen

Zum Abschluß des vergangenen Börsenjahres war sich die Fachwelt nahezu einig: 1998 werde der Höhenflug an den Börsen gedämpft, die Performance bleibe gut, sei aber weitaus weniger stürmisch als 1997.Ungeachtet der Expertenmeinung eilt bislang auch im laufenden Jahr der Dax - von kleinen Ruhepausen begleitet - nahezu unterbrochen von Rekord zu Rekord. Thomas Magenheim-Hörmann sprach mit dem Wertpapierexperten der Bayerischen Vereinsbank AG, Manfred Strobel, über die weiteren Aussichten auf dem Parkett. TAGESSPIEGEL: Herr Strobel, wie lange geht die Hausse weiter? STROBEL: Das Umfeld für deutsche Aktien bleibt unverändert günstig.Nachdem der Dax die bisherigen Höchstkurse überwunden hat, ist er charttechnisch nach oben ausgebrochen.Damit ist es möglich, daß er in der momentanen Euphoriephase weiter in Richtung 5400 Punkte steigt.Wir schließen aber Kursausschläge nicht aus, die häufiger und heftiger ausfallen können. TAGESSPIEGEL: Heißt das, die Dax-Werte sind realistisch betrachtet nun überbewertet? STROBEL: Das ist pauschal schwer zu beantworten.Wertzuwächse von zwei bis drei Prozent täglich sind sicher unnatürlich.Insgesamt notiert der Dax wohl noch an der Grenze realistischer Einschätzung. TAGESSPIEGEL: Wie soll man sich als Kleinanleger verhalten, noch einsteigen oder Gewinne realisieren? STROBEL: Ein Anleger, der Aktien im Depot hat, sollte seine Bestände an seine individuelle Risikobereitschaft anpassen.An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben.Durch die Kurssteigerungen der letzten Jahre ist der Aktienanteil in manchen Depots höher als die eigentliche Risikobereitschaft.Sicherheitsorientierte Anleger, die früher überwiegend Pfandbriefe im Depot hatten, sollten ihren Aktienanteil auf ein vertretbares Maß zurückführen. TAGESSPIEGEL: Welchen Mix empfehlen Sie? STROBEL: Sicherheitsorientierte Anleger sollten zehn Prozent Aktienanteil nicht überschreiten, begrenzt risikobereite nicht mehr als 25 Prozent halten.Spekulative Charaktere sollten ihren Aktienanteil jetzt auf 50 Prozent zurückführen. TAGESSPIEGEL: Welche Risiken sehen Sie für den Aktienmarkt durch eine möglicherweise stärker auf Japan übergreifende Asienkrise? STROBEL: Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen.Die Finanzmärkte sind so verzahnt, daß ein Überschwappen auf die USA und Europa wahrscheinlich wäre.In diesem Fall wären besonders die Aktien und Märkte betroffen, die in den letzten Wochen besonders stark gestiegen sind, also etwa das Segment Neuer Mark der Frankfurter Börse oder italienische Aktien."Der Aktienanteil in manchen Depots ist größer als die Risikobereitschaft" TAGESSPIEGEL: Hat die jüngste Megafusion in den USA zwischen Citicorp und Travelers für den deutschen Finanzsektor Auswirkungen, insbesonders auf hiesige Fusionsfantasien? STROBEL: Die Megafusionspläne haben auch die Mergerfusionsfantasie im Finanzbereich Deutschlands wieder steigen lassen.Neben der Deutschen Bank sind die Allianz und die Münchener Rück die Werte, auf die man sich dabei konzentrieren sollte. TAGESSPIEGEL: Welche Anlagepolitik empfehlen Sie derzeit Kleinanlegern? STROBEL: Gewinne mitnehmen und Depotwert an die Risikobereitschaft anpassen.Anleger, die jetzt auf den rasenden Börsenzug aufspringen wollen, rate ich zu Vorsicht.Auf dem jetzigen Börsen-Niveau kann man nicht mehr die schnelle Mark machen.Man sollte diversifizieren und nicht alles auf eine Aktie oder Branche setzen und auch innerhalb Europas verteilen.Zudem sollte der Anlagezeitraum auf zwölf bis 24 Monate verlängert werden.Besser sind jetzt Aktienfonds, in die man regelmäßig einzahlt oder auch Garantiefonds.Fondsmanager können bei negativen Anzeichen allgemein schneller reagieren als Privatpersonen. TAGESSPIEGEL: Wovon raten Sie derzeit ab? STROBEL: Auch wenn das Kursniveau reizt, für asiatische Aktien ist es noch zu früh.Die Risiken stehen in keinem Verhältnis zu den Chancen.Auch Optionsscheine sollte man in dieser Phase meiden.Sie sollten zumindest eine lange Laufzeit haben.

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