Anteilserwerb : Finanzinvestor stützt Telekom-Chef

Kurz vor der Hauptversammlung der Deutschen Telekom am Donnerstag in Köln stärkt der Finanzinvestor Blackstone Telekom-Chef René Obermann den Rücken. „Obermann richtet die Telekom gerade komplett neu aus und wir sind mit seiner Arbeit extrem zufrieden“, so Blackstone-Manager Lawrence Guffey.

Sven Afhüppe[Sandra Louven]

Berlin/Düsseldorf„Er ist einer der besten Vorstandschefs, die wir in unseren 50 Portfoliounternehmen haben,“ sagte Lawrence Guffey  dem „Handelsblatt“. Guffey sitzt für Blackstone im Telekom- Aufsichtsrat. Obermann habe bislang konsequent seine Gewinnprognosen eingehalten und den Kundenservice verbessert – beides sei bei der Telekom früher nicht der Fall gewesen.

Blackstone äußert sich damit erstmals zu seinem Investment bei der Telekom. Und das in einer Phase, in der der Telekom-Chef an den Kapitalmärkten wegen des schlechten Aktienkurses und fehlender Visionen zunehmend unter Druck gerät. Der US-Finanzinvestor hatte im April vor zwei Jahren 4,5 Prozent der T-Aktien gekauft – zu einem Kurs von 14 Euro. Derzeit steht das Papier bei rund 11,60 Euro und ist für Blackstone immer noch ein Verlustgeschäft. Allein die üppigen Dividenden sorgen dafür, dass sich der Finanzinvestor einer schwarzen Null nähert.

In dieser Woche schüttet die Telekom für 2007 eine Dividende von 78 Cent je Aktie aus – das entspricht dem Sechsfachen des Nettogewinns. Diese Rekorddividende mit eingerechnet, ist Blackstone mit seinen T-Aktien noch rund 150 Millionen Euro im Minus. „Natürlich wäre uns ein höherer Kurs lieber“, räumt Guffey ein. „Aber als wir bei der Telekom eingestiegen sind, war uns klar, dass es ein langer Weg werden würde. Wir bleiben langfristig bei der Telekom investiert.“

Im Markt hält sich sogar das Gerücht, Blackstone wolle weitere Anteile an der Telekom hinzukaufen. Dann könnte der Finanzinvestor einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat fordern. Guffey wollte sich dazu jedoch nicht äußern. Über die aktuelle Rolle von Blackstone bei der Telekom gibt es widersprüchliche Aussagen. In der Branche heißt es, der Finanzinvestor genieße das Vertrauen von Berlin und stimme sich eng mit dem Bund ab. Ein hochrangiger Telekom-Manager sagt hingegen: „Der Einfluss von Blackstone wird weitgehend überschätzt.“

Auch der Bund als Haupteigentümer – er hält noch 32 Prozent an der Telekom – steht fest hinter dem Vorstandschef. „Obermann hat unser vollstes Vertrauen“, heißt es in der Spitze des Finanzministeriums. Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren hat Obermann tatsächlich viel bewegt. Er gründete trotz langer Streiks eine neue Serviceeinheit, in der die Mitarbeiter für weniger Geld länger arbeiten; er vereinheitlichte die zahlreichen IT-Systeme des Konzerns, verbesserte den Kundenservice und nahm seinen Wettbewerbern auf dem schnell wachsenden DSL-Markt Marktanteile ab. Im Ausland verkaufte er verlustbringende Töchter und kaufte in den eigenen Mobilfunkmärkten Wettbewerber hinzu.

Den Kurs der T-Aktie konnte er damit jedoch nicht nachhaltig positiv beeinflussen. Nach einem Zwischenhoch im Januar dieses Jahres rutschte das Papier wieder ab. Experten werfen Obermann vor, er habe keine Wachstumsstrategie für den Konzern. Selbst der Bund macht an der Stelle nun Druck. Er hat Obermann aufgefordert, noch in diesem Jahr einen ausländischen Konkurrenten zu übernehmen oder wenigstens eine Fusion mit einem gleichwertigen Partner zu organisieren. Die Regierung hat auch schon einen Lieblingskandidaten ausgemacht: France Télécom. „Das wäre der ideale Partner in Europa“, heißt es im Bundesfinanzministerium. Wenn das nicht klappen sollte, müsse Obermann einen anderen europäischen Anbieter ins Auge fassen. „Auf jeden Fall muss verhindert werden, dass sich der europäische Telekommunikationsmarkt konsolidiert und die Deutsche Telekom nicht gleich dabei ist“, sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter. Ein Sprecher des Finanzministeriums wies die Informationen am Dienstag jedoch als „wilde Spekulationen“ zurück. HB

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