Wirtschaft : Anti-Teuro-Gipfel bei Künast geplatzt

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Berlin (msh). Das für Mittwoch geplante Anti-Teuro-Treffen, zu dem die Bundesregierung geladen hatte, ist geplatzt. Zahlreiche Vertreter der Industrie und des Handels sagten ihre Teilnahme ab. Als Grund nennen die Verbände das Vorhaben von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), im Internet die n von Händlern und Dienstleistern zu veröfffentlichen, die im Zuge der Euro-Einführung die Preise deutlich angehoben haben sollen.

Ein entsprechendes Internet-Forum für die Beschwerden der Verbraucher war beim ersten Teuro-Gipfel Ende Mai zwischen den Verbänden und der Ministerin vereinbart worden. Ministerin Künast will, dass bei dem verabredeten „Preis-Wert-Forum“ im Internet konkret Anbieter, Produkt oder Dienstleistung mit dem alten und neuen Preis genannt werden können. „Ohne eine Konkretisierung macht das Forum keinen Sinn“, sagte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums. Nach Darstellung der Verbände ist eine Nennung von Firmen- und Produktnamen aber nie vereinbart worden. Sie fürchten, dass eine Art Internet-Pranger für vermeintliche Preistreiber entstehe.

Die Sprecherin reagierte mit Unverständnis auf die Absagen und wies den Vorwurf der Verbände zurück. Die Beteiligten hätten bei vorherigen Treffen abgesprochen, dass Reklamationen der Verbraucher bei dem Internet-Forum möglich sein müssten. Das Treffen auf Arbeitsebene werde trotz der Absagen der Wirtschaft mit Vertretern der Verbraucherzentralen stattfinden.

Realisiert und betreut wird das Internet-Forum vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) unter der Internet-Adresse www.preis-wert-forum.de . Nach Angaben des VZBV soll die Webseite noch im Juli starten. Geplant sei ein Informationsteil mit Preisinformationen und Statististiken sowie das umstrittene Beschwerdeforum. „Die Verbraucher können ihre Preisfeststellung per E-Mail an uns senden. Wir fordern die Anbieter zu einer Stellungnahme auf und veröffentlichen dann beides“, erläutert Karin Kuchelmeister, Euro-Expertin beim VZBV. Dafür stelle das Ministerium 270 000 Euro zur Verfügung.

Absagen zum Abschlusstreffen kamen vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Der DIHK meint zu der Nennung von Produkt- und Firmennamen in dem Forum: „Die Gefahr ist groß, dass dort gesammelte Einzelfälle ausgeschlachtet und für Boykottaufrufe missbraucht werden.“ Zudem stelle sich ein halbes Jahr nach Einführung des Euro die Frage, ob es noch Sinn macht, dahinter vermutete Preisveränderungen aufzuspüren. Einige Verbände hatten schon vor dem ersten Teuro-Gipfel den Sinn eines solchen Treffens in Frage gestellt.

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