Antibiotika-Einsatz : Alle lieben Tiere

Bauern und Politik streiten vor der Grünen Woche über den Einsatz von Antibiotika. Der öffentliche Druck zeigt inzwischen auch bei Bundesagrarministerin Ilse Aigner Wirkung.

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Gruppenbild mit Kuh. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner (lks), Messe-Geschäftsführer Christian Göke und der Sprecher der deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham. Foto: dpa
Gruppenbild mit Kuh. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner (lks), Messe-Geschäftsführer Christian Göke und der Sprecher der deutschen...Foto: dpa

Eigentlich könnte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner zufrieden sein. „Wir gehen mit einem gesunden Selbstbewusstsein in das Jahr 2012“, sagte Sonnleitner am Mittwoch in Berlin auf der Eröffnungspressekonferenz zur am Freitag beginnenden Grünen Woche. Der Umsatz wachse kontinuierlich, die wirtschaftliche Situation der Bauern habe sich „deutlich verbessert“.

Wäre da nicht der leidige Streit um die Massentierhaltung und den Einsatz von Antibiotika in den Großställen. SPD-Chef Sigmar Gabriel und Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Landwirtschaft, forderten am Mittwoch ein Umsteuern in der Agrarpolitik. Für Samstag haben Bauern- und Umweltverbände zu einer Massendemo in Berlin gegen die Massentierhaltung aufgerufen. Sonnleitner hält dagegen. Auch er ist gegen den „sorglosen Umgang mit Antibiotika“. Aber: „Wenn unsere Tiere erkranken, müssen wir mit dem Tierarzt gemeinsam handeln können“, betont der Bauernpräsident.

Der öffentliche Druck zeigt inzwischen aber auch bei Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) Wirkung. An diesem Donnerstag stellt die Ministerin ihre neue „Charta für Landwirtschaft und Verbraucher“ vor, die Leitlinien für die künftige Agrarpolitik aufzeigt. Darin spielt der Tierschutz eine wichtige Rolle. „Einen Schwerpunkt bei der Förderung werden wir künftig auf besonders tiergerechte Haltungsverfahren legen“, sagte die Ministerin dem Tagesspiegel.

Zudem will Aigner den Schwund landwirtschaftlicher Flächen in Deutschland stoppen. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands gehen jeden Tag 90 Hektar landwirtschaftlichen Bodens durch Versiegelung und Überbauung verloren. „Wir werden den Verbrauch wertvoller Agrarflächen reduzieren“, kündigte Aigner an. Auch im Konflikt zwischen „Teller und Tank“ stellt sich die CSU-Politikerin auf die Seite der Landwirtschaft. Bei der Frage der Flächennutzung müsse man der Lebensmittelproduktion Vorrang vor der energetischen und stofflichen Nutzung von Agrarrohstoffen geben. Die Charta ist das Ergebnis eines Diskussionsprozesses mit Landwirten, Ernährungsindustrie, Verbraucher- und Umweltschützern, der nach dem Dioxin-Skandal im vergangenen Jahr begonnen wurde. Das Papier beschäftigt sich auch mit dem Hunger in der Welt. „Ich setze mich für die Abschaffung aller Agrarexportsubventionen ein“, sagte Aigner. Hilfsorganisationen kritisieren, diese Subventionen würden europäische Lebensmittelexporte künstlich verbilligen und den Bauern in Entwicklungsländern schaden.

Für die Lebensmittelproduzenten ist der Export wichtig. Von den 162 Milliarden Euro Umsatz, die die Ernährungsindustrie 2011 gemacht hat, stammten vorläufigen Schätzungen zufolge 60 Milliarden Euro aus dem Export. Allein in den ersten zehn Monaten legten die Ausfuhren um elf Prozent auf 51,4 Milliarden Euro zu, wie der Nahrungsmittel-Exportverband Gefa mitteilte. Die gefragtesten Produkte waren Fleisch und Molkereierzeugnisse. Die EU war auch 2011 der wichtigste Exportmarkt, aber die Nachfrage in Drittländern wie Russland steigt.

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