Antriebstechnologie der Zukunft : „Die Entscheidung ist längst gefallen - in China“

Nicht nur bei den Pkws sehen die Teilnehmer des eMobility Summit beim Tagesspiegel kaum Alternativen zur Elektromobilität. Auch bei emissionsfreien öffentlichen Bussen seien Brennstoffzellen keine Option.

Oliver Voss
Fast 300 Experten hatten sich zum 7. eMobility Summit beim Tagesspiegel angemeldet.
Fast 300 Experten hatten sich zum 7. eMobility Summit beim Tagesspiegel angemeldet.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Noch ist jeder zweite neu zugelassene Pkw in Deutschland ein Diesel. Können diese Pkws allein durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden? „Biokraftstoffe ermöglichen nicht den großen Wurf“, sagt Uwe Brendle, Referatsleiter Umwelt und Verkehr im Bundeswirtschaftsministerium. Auch bei Technologien wie Power-to-Gas, bei dem mit Ökostrom Gas hergestellt wird, sieht er wenig Potenzial im Verkehrsbereich. Da das Gas auch in Speicheranlagen genutzt wird, würden die Anlagen eher benötigt, um Schwankungen in den Stromnetzen auszugleichen. Es sei generell eine Illusion zu glauben, dass wir in Deutschland entscheiden, was die Antriebstechnologie der Zukunft ist. „Die Entscheidung ist längst in China gefallen“, sagte Brendle.

Und nicht nur bei Pkw sahen die Teilnehmer kaum Alternativen zur Elektromobilität. So hat Hamburg beschlossen, ab 2020 ausschließlich emissionsfreie Busse zu beschaffen. Eine Flotte von 1500 Fahrzeugen wird dann umgestellt. Doch Technologien wie die Brennstoffzelle seien dabei keine Option. „Das Einzige, was 2019 lieferbar ist, sind batteriegetriebene Busse“, so Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn AG.

Die Busse werden allerdings eher in China, Polen oder der Türkei produziert. Zudem würden von der Industrie „Mondpreise“ aufgerufen, sagt Falk. Das Problem ist auch der Bundesregierung bekannt. Daher wurde in Brüssel eine Förderrichtlinie eingereicht. 80 Prozent des Preisunterschiedes sollen gefördert werden. „Das wird den Busherstellern einen gewaltigen Schub geben“, sagt Brendle.

Auch Falk glaubt, dass die Preise deutlich sinken werden, wenn bald Hamburg und andere Städte hunderte Fahrzeuge ordern. Daher wünscht er sich von der Politik Unterstützung in anderer Form: „Eine Förderung der Infrastruktur wäre mir lieber“. Denn die größte Herausforderung sei die Umrüstung von der Infrastruktur, von der IT bis zu den Betriebshöfen.

Auch am Förderkonzept für Elektroautos gab es Kritik. So bezeichnete Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes die Förderprämie für Elektroautos als Fehler. Sie böte zu wenig Anreize. Die Politik hätte sich stattdessen eher auf den ÖPNV und den Lieferverkehr konzentrieren sollen. „Damit erreichen wir mehr als mit der E-Auto-Prämie“, sagt Landsberg.

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