Wirtschaft : Anwälte bieten Daten aus Liechtenstein Ministerium verweist an Steuerfahndung

Andreas Frost

Berlin/Rostock - Die Hamburger Anwälte eines mutmaßlichen Erpressers haben mit dem Bundesfinanzministerium offenbar über die Herausgabe von gestohlenen Kundendaten der Lichtensteinischen Landesbank (LLB) verhandeln wollen. Die Rechtsanwälte vermittelten dem Ministerium vor elf Tagen den Eindruck, als wollten sie über die „Situation ihres Mandanten“ reden, wenn sie die Daten herausrücken, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Ihnen sei es nicht um Geld gegangen. Das Ministerium verwies die Anwälte an die Steuerfahndung.

Möglicherweise ging es den Anwälten um Strafnachlass für Michael F., der in Mecklenburg-Vorpommern in Untersuchungshaft sitzt. Michael F. und drei Komplizen haben nach Erkenntnissen der Rostocker Staatsanwaltschaft seit August 2005 neun Millionen Euro von der LLB erpresst und rund 1600 Datensätze an die Bank zurückgegeben. Der Rückkauf weiterer 700 Datensätze für weitere vier Millionen Euro scheiterte, weil der mehrfach vorbestrafte Michael F. im Herbst 2007 aus einem anderen Grund am Flughafen Hamburg verhaftet wurde. Ihm droht nun wegen schwerer Erpressung lebenslange Haft und anschließende Sicherheitsverwahrung.

Mit den zuständigen Rostocker Ermittlern haben F.’s Anwälte noch nicht verhandeln wollen. Ein Sprecher der Behörde machte klar, dass sie sich auch auf keinen Deal einlassen werde. Solange die Tatverdächtigen und ihre Anwälte die LLB-Daten nicht herausrückten, sei die Erpressung nicht zu Ende, sagte Staatsanwalt Peter Lückemann. Auch die betroffenen Kunden können nicht auf Nachsicht hoffen. Hinweise auf Steuerhinterziehung müsse er gegebenenfalls der Steuerfahndung melden. Wie die Bande um Michael F. an die LLB-Daten gekommen ist, bleibt vorerst unklar. Andreas Frost

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