Wirtschaft : Anwohner sollen Netz mitfinanzieren

Kiel - Mit einer Mindestbeteiligung von voraussichtlich 1000 Euro sollen sich erstmals Bürger an der Finanzierung von Stromtrassen beteiligen können. Start des bundesweit einmaligen Pilotprojekts soll in Schleswig-Holstein sein, wie Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Netzbetreiber Tennet am Mittwoch in Kiel ankündigten. Mit den Einnahmen soll eine geplante 380-Kilovolt-Leitung an der Westküste noch in diesem Jahr entstehen. Der Bau der neuen Höchstspannungsleitung sei eines der zentralen Infrastrukturprojekte in Schleswig-Holstein, um die Energiewende umzusetzen.

Bei der „Bürgerleitung“ sollen nur private Anleger Wertpapiere kaufen können, betonte Tennet. Bevorzugt würden Anwohner, die unmittelbar vom Bau der Hochspannungsleitung betroffen seien. Dabei sollen private Kleinanleger, die nur wenige Wertpapiere kaufen wollten, gegenüber Privatanlegern bevorzugt werden, die größere Summen investieren wollten. Der Zinssatz soll nach derzeitigen Kapitalmarktbedingungen 4,5 bis fünf Prozent betragen. Die Höhe der Bürgerbeteiligung soll auf etwa 40 Millionen Euro begrenzt werden, maximal 15 Prozent des Investitionsbudgets für die Leitung, hieß es. Die Wertpapiere sollen von ortsansässigen Geldinstituten vertrieben werden. Der Verkauf soll, nach Genehmigung durch die zuständige Finanzregulierungsbehörde, im zweiten Quartal dieses Jahres beginnen.

Schleswig-Holstein erzeugt mit seinen Küstenregionen mehr Windstrom als das Land braucht. Bis 2020 würden acht bis zehn Prozent des deutschen Strombedarfs aus Schleswig-Holstein gedeckt. Das niederländische Staatsunternehmen Tennet ist mit rund 20 000 Kilometern an Hoch- und Höchstspannungsleitungen und 36 Millionen Endverbrauchern einer der größten Netzbetreiber Europas. dpa

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