Wirtschaft : AOL/Time Warner: Fusion erlaubt

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Die Fusion von Time Warner mit dem Internetunternehmen America Online (AOL) ist von der EU-Kommission genehmigt worden. Bedingung war allerdings, dass die Verflechtungen mit dem Bertelsmann-Konzern weitgehend aufgelöst werden. Dies hatte AOL zugesagt. In der vergangenen Woche hatte Time Warner schon auf den geplanten Zusammenschluss mit EMI verzichtet. In den USA wurde die Fusion noch nicht genehmigt. Ziel der EU-Kommission war es zu verhindern, dass der neue Konzern den Markt für die Musikverbreitung über das Internet und softwaregestützte Musikabspielsysteme völlig beherrscht.

Time Warner ist einer der größten Medien- und Unterhaltungskonzerne der Welt. AOL der bedeutendste amerikanische Internetkonzern, der weltweit agiert. Das Europageschäft betreibt AOL zusammen mit Bertelsmann über AOL Europe, AOL Compuserve und die Vivendi Töchter Cégétel und Canal Plus. Durch die Fusion von AOL und Time Warner entsteht erstmals eine Situation, in der Musik und Filme an einen bestimmten Internetzugang gekoppelt werden können. Hätte AOL/Time Warner darüber hinaus auch noch über Bertelsmann Verbindungen zur bedeutendsten Quelle für Musikverwertungsrechte gehabt, dann wäre nach Ansicht der Kommission eine marktbeherrschende Stellung unvermeidbar gewesen.

Diese hätte für das Herunterladen der Musik und für das Übertragen in Echtzeit gegolten. AOL wäre so in einer "Gate-keeper"-Position gewesen und hätte die Bedingungen für die Verbreitung von Musikdateien bestimmen können. Es hätte diese beispielsweise so formatieren können, dass sie nur noch mit der AOL-Player Software Winamp abspielbar gewesen wäre, während umgekehrt die Musik anderer Plattenfirmen nach wie vor auch von Winamp hätte gelesen werden können. Über kurz oder lang hätte Winamp sich als maßgebliche Software am Markt durchsetzen können. Um dies zu verhindern, sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Bertelsmann Music Group in Zukunft als unabhängiger Konkurrent von AOL/Time Warner auftritt.

AOL sagte zu, dass Bertelsmann aus den bisher existierenden Gemeinschaftsunternehmen mit AOL aussteigen wird. Bis es seine Beteiligungen abgegeben hat, sollen Übergangsregelungen dafür sorgen, dass die Geschäftsbeziehungen zwischen AOL und Bertelsmann nicht zu eng werden. AOL/Time Warner verpflichten sich auch dazu, nichts zu unternehmen, was dazu führen könnte, dass die von Bertelsmann verlegte Musik im Internet nur über AOL zugänglich ist. Sie müssen auch darauf achten, dass die Bertelsmann-Musik nicht so formatiert wird, dass sie nur über AOL-Player-Software abspielbar ist. Eine unabhängige Aufsichtsperson soll kontrollieren, ob diese Zusagen auch eingehalten werden.

Nach Ansicht der Kommission ist mit dieser Entscheidung die Gefahr gebannt, dass ein vertikal integriertes Unternehmen auf dem Markt für den Online-Musikvertrieb und Player-Software eine beherrschende Stellung einnimmt.

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