Apollo-Optik : Billiger Durchblick

Brillenfassungen schon für einen Cent: Ab dem 3. August können Kunden den Preis für das neue Gestell selbst bestimmen. Eine Pleite muss das Unternehmen dennoch nicht befürchten.

Adrian Pickshaus

BerlinDer Ton ist martialisch: „Die deutsche Handelslandschaft ist bis heute von Preisschlachten und Rabattkriegen geprägt.“ In diesen von ihm selbst erklärten Rabattkrieg zieht der Brillenhändler Apollo-Optik jetzt mit einer neuen Verkaufsaktion: Ab dem 3. August können Kunden den Preis für ihre Brillenfassungen selbst bestimmen. Das Angebot gilt für alle Gestelle bis 99,90 Euro, die Aktion läuft bis zum 17. Oktober. Demnach könnten Brillenkäufer eine Fassung, die regulär knapp hundert Euro kostet, schon bald für einen Cent erwerben.

„Ja, das würden wir in Kauf nehmen“, sagt Apollo-Optik-Sprecherin Nadine Konkel. „Allerdings hoffen wir, dass unsere Kunden von der Qualität unserer Produkte genauso überzeugt sind wie wir, und ihnen dann auch die entsprechende Wertschätzung zukommen lassen.“ Kalkulationen, wie viel die Kunden zu zahlen bereit sind, habe es vorab nicht gegeben. Man wolle sich überraschen lassen und Neukunden gewinnen.

Rechtlich sei die Apollo-Aktion unbedenklich, sagt Helke Heidemann-Peuser vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Seit dem Wegfall des Rabattgesetzes ist das ohne Weiteres möglich.“ Entscheidend sei aber, dass das Unternehmen sein Versprechen halte. Die Kunden dürften es jedoch kaum schaffen, den Brillenhändler mit Cent-Beträgen für teure Rahmen pleite zu kaufen. Denn für die Gläser muss weiter der volle Preis bezahlt werden – bis zu 150 Euro pro Stück.

Vergleichbare Aktionen sind im Einzelhandel bisher unbekannt. Ein ähnliches Bezahlkonzept findet sich aber in der Gastronomie: In Berliner Weinbars wie dem „Frorum“, „FraRosa“ oder „Perlin“ trinken die Gäste, soviel sie wollen. Verlassen sie die Kneipen in Mitte und Prenzlauer Berg, zahlen sie den Betrag, den sie für angemessen halten. Betreiber Heiko Michels glaubt, dass das Konzept aber nur mit einem Produkt wie Wein funktioniere: „Wein ist Kult, dafür zahlen die Leute. Bei Brillenfassungen kann ich mir das nicht vorstellen.“

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