Wirtschaft : Apple: Apple braucht einen Neustart

Henrik Mortsiefer

Wer einen Apple auf dem Schreibtisch stehen hat, zählt sich klammheimlich zu einer Elite der Computer-Gemeinde: Macs sind etwas teurer, dafür sind sie auch etwas schöner und etwas besser als die öde-grauen Kisten der Konkurrenz. Tatsächlich waren die Apple-Maschinen lange leistungsfähiger und nutzerfreundlicher als die PCs mit Intel- oder Windows-Standard. Doch dieser Vorsprung ist längst Vergangenheit. Wer einen Apple kauft, beweist heute bestenfalls noch den besseren Geschmack. Und auch das tun inzwischen viel zu wenige. Die scharfe Korrektur in den Ergebnis- und Umsatzprognosen, die Apple-Chef Steve Jobs erneut vornehmen muss, zeugt davon. Der Power-Mac G4 Cube, der jüngste Wurf der Apple-Designer, hat sich schlecht verkauft, Apple hat bei den Schulen, immerhin dem Hauptmarkt, die Führung an Dell verloren, Rechner mit schnellen Prozessoren wurden nicht rasch genug eingeführt. Hinzu kommt ein weltweit schwächerer PC-Markt, der alle Hersteller trifft.

Apple-Gründer Jobs, der vor drei Jahren als Retter in der Not zu dem angeschlagenen Unternehmen zurückkehrte und wie ein Heilsbringer verehrt wird, verspricht nun Gewinne für das kommende Quartal und ein neues Betriebssystem, das 2001 endlich auf den Markt kommen soll. Ähnliches hat man von Jobs schon häufiger gehört. Eine wirklich gute Idee hatte er freilich zuletzt nur mit dem iMac, jener bunten Serie innovativer Computer, mit denen Apple endlich wieder im Massengeschäft mitzumischen schien. Eine Idee allein hat nicht ausgereicht. Im Oktober sprang der Chefverkäufer des Unternehmens ab und gab damit einen Warnschuss ab: Apple braucht eine neue Perspektive - ohne Steve Jobs. Aber die Warnung kam nicht an. Das Management klammert sich an die Gründer-Legende und verspielt so die Chance auf einen Neustart.

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