Apple zieht Bilanz : Weniger iPhones, weniger Gewinn

Apples Verkaufsschlager iPhone und iPad ziehen immer weniger - wie der Konzern der Abwärtsspirale dennoch entkommen will.

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15 Prozent weniger iPhones verkaufte Apple im zweiten Quartal 2016 - aber noch immer mehr als 40 Millionen Geräte.
15 Prozent weniger iPhones verkaufte Apple im zweiten Quartal 2016 - aber noch immer mehr als 40 Millionen Geräte.Foto: Peter Steffen/dpa

Cupertino - Eines vorweg: Keine andere Firma auf der Welt ist so wertvoll wie Apple, der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino ist weiterhin ungeschlagen – doch muss die erfolgsverwöhnte Firma nun schon zum zweiten Mal hintereinander einen Rückgang verzeichnen. Vor allem das bisher so lukrative Geschäft mit den iPhones schwächelt. So schlimm, wie von den Investoren erwartet, kam es dann aber doch nicht.

Um 15 Prozent fiel der Umsatz im zweiten Quartal


Um 15 Prozent fiel der Umsatz im zweiten Quartal 2016 auf 42,4 Milliarden Dollar (38,6 Milliarden Euro), der Gewinn schrumpfte um 27 Prozent auf knapp 7,8 Milliarden Dollar, wie der Konzern mit Sitz im kalifornischen Cupertino in der Nacht zu Mittwoch bekannt gab. Apple hat im zweiten Quartal 40,4 Millionen iPhones verkauft, das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahresquartal – aber immer noch mehr, als Experten gedacht hatten.

Deshalb legte die Aktie nachbörslich um sieben Prozent deutlich zu. Auch Apple-Chef Tim Cook war von den Absatzzahlen positiv überrascht.

Der durchschnittliche Verkaufspreis des iPhones sinkt um 65 Dollar


Populär ist inzwischen das günstigere Modell iPhone SE. Zwar gibt Apple keinen Verkaufszahlen für einzelne Modelle bekannt, doch spiegelt sich der Erfolg im durchschnittlichen Verkaufspreis wieder. Dieser sank nämlich im Jahresvergleich um 65 Dollar auf 595 Dollar. Im ersten Kalenderquartal hatte ein verkauftes iPhone im Schnitt noch 642 Dollar gekostet. Entsprechend ging auch der Umsatz zurück, den Apple mit iPhones macht: um 23 Prozent auf rund 42 Milliarden Dollar. Damit schrumpfte auch der Anteil des iPhone-Umsatzes am gesamten Geschäft, auf gut 65 Prozent von zuletzt rund zwei Dritteln.

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Viele Kunden schieben Kauf bis zum Start des iPhone 7 auf


Negativ auf die Bilanz schlägt sich auch die abwartende Haltung vieler Kunden wieder, die mit dem Kauf eines neuen iPhones auf den Start des für September angekündigten iPhones 7 warten. Aber auch insgesamt ist der Smartphone-Markt in diesem Jahr abgekühlt, so ist nach Westeuropa und den USA auch der zuletzt lukrative chinesische Markt weitgehend gesättigt. Bei Apple sackte der Umsatz in China folglich um ein Drittel auf 8,85 Milliarden Dollar, nachdem er im Vorjahresquartal noch um 112 Prozent gewachsen war. Der US-Konzern bekommt in China zunehmend Konkurrenz durch Billiganbieter wie Xiaomi, Lenovo und Huawei. Dennoch setzt Cook mit dem iPhone SE auf weiteres Wachstum in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Es öffnet die Tür zu Kunden, die wir zuvor nicht erreicht haben“, sagte er am Dienstag.

Auch iPad-Verkäufe schrumpfen


Zwar verkaufte Apple mit 9,95 Millionen Geräten auch neun Prozent weniger iPads als im Vorjahresquartal, doch dank der höheren Nachfrage nach dem teureren Modell iPad Pro stieg der Umsatz um sieben Prozent auf fast 4,9 Milliarden Dollar – das erste Wachstum in dem Geschäft seit längerer Zeit.

Apple will größer ins TV-Geschäft einsteigen


Apple ist längst klar geworden, dass es sich nicht mehr allein auf seine Verkaufsschlager verlassen darf, wenn es weiterhin auf Erfolgskurs bleiben will. Deshalb arbeitet der Konzern intensiv an weiteren Erlösmodellen. So kündigte Cook an, große Pläne für das Fernsehgeschäft zu haben. Die Fernsehbox Apple TV sei erst der Anfang, erklärte er. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass sich Apple die Rechte an der populären Video-Show „Carpool Karaoke“ gesichert hatte, in der kürzlich auch die amerikanische First Lady Michelle Obama auftrat. Auch beschäftigt sich Apple mit einem Autoprojekt. In Berlin arbeitet der Konzern derzeit am Kartendienst Apple Maps und damit verbundenen ortsbezogenen Diensten. Unter anderem soll darin der Verkehr mit U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen integriert werden. (mit dpa)

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