Apples iPod : Kult um eine coole Kiste

Der iPod ist eine Erfolgsgeschichte. MP3-Player gibt es viele, aber das kleine, bunte Gerät von Apple ist Kult. Damit konnte niemand rechnen, denn eigentlich war es ein Schnellschuss fürs Weihnachtsgeschäft.

Washington - Davon träumt jeder Erfinder: Ein Produkt auf den Markt zu bringen, das mehr ist als nur ein Produkt, nämlich Stil-Ikone, Statussymbol, unverzichtbarer Begleiter im Alltag. Mit dem digitalen Musik-Abspielgerät iPod ist dem Computerkonzern Apple ein solcher Coup gelungen. Vor fünf Jahren, am 23. Oktober 2001, trat die kleine Kiste mit dem großen Musikspeicher ihren weltweiten Siegeszug an. Die Markteinführung war der Beginn einer kleinen Revolution. Inzwischen sind fast 70 Millionen iPods im Umlauf. Der Minicomputer kann weit über 10.000 Musiktitel speichern. Und er hat eine Eigenschaft, die eigentlich unbezahlbar ist: den Coolness-Faktor.

Der iPod prägt die Alltagsgewohnheiten einer ganzen Generation. Etliche junge Leute führen ihn ständig mit sich. Als die Marktforscher des US-Instituts Student Monitor kürzlich eine Umfrage an US-Universitäten machten, waren sie selbst vom Ergebnis überrascht. Auf die Frage, was derzeit auf dem Campus als cool gilt, nannten 73 Prozent den iPod. Damit lag das Gerät auf Platz eins - noch vor dem traditionellen Studenten-Vergnügen Biertrinken, was immerhin noch 71 Prozent cool finden. Auch jenseits des Campus stößt das Gerät auf Interesse: die Queen, George W. Bush und selbst der Papst sollen eines besitzen.

"Der iPod ist die erste kulturelle Ikone des 20. Jahrhunderts", urteilt der Soziologe und iPod-Experte Michael Bull von der englischen Universität Sussex. Die Nutzer könnten sich durch einfaches Herunterladen der Titel vom Computer einen "Soundtrack für ihre eigene Welt" schaffen. Apple-Chef Steve Jobs führt den Erfolg des MP3-Players auf eine einfache Festellung zurück: "Musik ist in uns allen drin", sagte er dem US-Magazin "Newsweek". Die kleinen Ausfluchten mittels Kopfhörer seien "gut für die Seele".

39 Millionen Stück im ersten Jahr verkauft

Und sie sind gut für die Umsätze von Apple. Am Mittwoch gab das Unternehmen exzellente Bilanzzahlen bekannt. Im eben zu Ende gegangenen Geschäftsjahr kletterten die Gewinne um 49 Prozent auf knapp zwei Milliarden Dollar. Eines der Zugpferde war der iPod, von dem innerhalb von zwölf Monaten 39 Millionen Stück verkauft wurden. Ob der iPod-Umsatz weiterhin zweistellige Zuwächse erzielt, wird auch von der Konkurrenz abhängen. Im September stellte Microsoft seinen MP3-Player Zune vor, der dem iPod Marktanteile abjagen soll.

Die Geschichte des iPod begann Anfang 2001 in den Rocky Mountains. Der Ingenieur Tony Fadell war gerade auf der Skipiste, als er übers Mobiltelefon einen Auftrag von Apple erhielt. An der Spitze eines Entwicklungsteams sollte ein völlig neues Abspielgerät für digitalisierte Musik entwerfen. Bedingung: Das Gerät musste schon zum Weihnachtsgeschäft in den Läden stehen. Es sollte eine einfache Benutzeroberfläche haben und in der Lage sein, Musikstücke extrem schnell vom Computer herunterzuladen.

New York Times gab dem Gerät wenig Chancen

Die Tüftler machten sich an die Arbeit. Der Apple-Industriedesigner Jonathan Ive entwarf für das Gerät die knallig weiße Plastikhülle, die zum Markenzeichen wurde. Am 23. Oktober 2001 wurde das Gerät vorgestellt. Die Startbedingungen waren schwierig: Wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September passte das pfiffige Entertainment-Gerät schlecht in die aufgewühlte Stimmung. Die "New York Times" wies am Tag nach der Markteinführung skeptisch darauf hin, dass das Publikum für das Gerät begrenzt sein dürfte.

Doch es kam anders. Der iPod ist inzwischen so erfolgreich, dass sich Experten Gedanken über seine Auswirkungen aufs gesellschaftliche Miteinander machen. "Der iPod ist der letzte Schritt der Entwicklung, dass sich die Menschen in mobile Kokons einspinnen", schreibt der renommierte Technik-Journalist Steven Levy in seinem neuen Buch über das Gerät. Und kommt dem Schluss: "Die Welt scheint in zwei Teile gespalten: Es gibt diejenigen, die in ihre iPod-Traumwelt eingeschlossen sind, und diejenigen, die darüber meckern, dass sie den Anschluss an den cooleren Teil der Menschheit verloren haben." (Von Peter Wütherich, AFP)

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