Wirtschaft : Apples Musik-Portal bleibt vorerst offline

Europa-Start des erfolgreichen iTunes Music Store verzögert sich – iPod-Kunden müssen warten

Henrik Mortsiefer

Berlin. Der Computerhersteller Apple muss um den Europa-Start seines in den USA sehr erfolgreichen Internet-Portals für den legalen Musik-Download (siehe Lexikon) bangen. „Die Verhandlungen mit den nationalen Urheberrechtsgesellschaften gestalten sich schwieriger als erwartet“, sagte Apple-Deutschland-Chef Frank Steinhoff dem Tagesspiegel. „Technisch ist alles fertig, aber es gibt rechtliche Probleme in den einzelnen Ländern.“ Am mehrfach verschobenen Starttermin im laufenden Jahr hält Steinhoff dennoch weiter fest.

Das Portal iTunes Music Store hat sich für Apple zum wichtigsten Vertriebsweg für den handlichen digitalen Musikplayer iPod entwickelt. Das Gerät, das in Deutschland zwischen 350 und 550 Euro kostet, kam im Herbst 2001 auf den Markt und ist zu einem Verkaufsschlager für Apple geworden. Bespielt werden kann der iPod sowohl mit Musikstücken von CDs als auch mit heruntergeladenen Songs aus dem Internet.

Im vergangenen Geschäftsquartal verkaufte das kalifornische Unternehmen, das als Nischenanbieter gilt, erstmals mehr iPods als Computer. Insgesamt sind es inzwischen weit mehr als zwei Millionen Geräte. Im ersten Jahr des Bestehens von iTunes wurden über 70 Millionen Songs gekauft, pro Woche sind es derzeit rund drei Millionen. Das Repertoire umfasst mehr als 700000 Songs. Mit 70 Prozent Marktanteil an den legalen Musik-Downloads ist der Music Store Nummer Eins unter den Online-Musikdiensten der USA. Der Marktanteil von Apple-Computern liegt hingegen nur bei zwei bis drei Prozent.

Anders als in den USA muss sich Apple auf dem wichtigen europäischen Musikkmarkt, wo immer mehr kommerzielle Musik-Portale ans Netz gehen, weiter gedulden. Das Problem: Apple will die Musikverleger in bis zu zehn europäischen Ländern auf ein gemeinsames Preisniveau festlegen. „Wir wollen in jedem Land den gleichen Preis pro Musikstück“, sagte Steinhoff. Erst wenn dies gewährleistet und die Lizenzabgaben an die Urheberrechtsgesellschaften festgelegt worden seien, soll iTunes auch der wachsenden Zahl von iPod-Besitzern in Europa zur Verfügung stehen. „Wir gehen nur online, wenn wir saubere Downloads anbieten können – also eine breite Auswahl möglichst aller Plattenfirmen und den gleichen Nutzungskomfort wie in den USA“, sagte Steinhoff. Apple steht unter Zeitdruck, weil Konzerne wie Sony und Microsoft ebenfalls angekündigt haben, noch in diesem Jahr in Europa mit Musik-Plattformen an den Start zu gehen.

Branchenbeobachter bezweifeln indes, dass Apple mit seiner Ein-Preis-Strategie Erfolg haben wird. „Jedes Land hat andere Lizenzgebühren und Mehrwertsteuern“, gibt Hartmut Spiesecke, Sprecher der deutschen Phonoverbände zu bedenken. Außerdem sei die Abgabenhöhe national festgelegt. „Da bekommt nicht jeder Vertragspartner eine eigene Gebühr.“ Verzögern könnte sich der iTunes-Start auch, weil die EU-Kommission jüngst eine Überprüfung der Lizenzgebühren in der Europäischen Union angekündigt hat.

In den USA berechnet iTunes pro heruntergeladenem Song 99 Cent. 65 Cent davon fließen Schätzungen zufolge direkt an die Plattenfirmen. Zu welchem Preis iTunes in Deutschland Downloads anbieten werde, hänge von den Gebühren an die Verwertungsgesellschaften ab, sagte Steinhoff. „99 Cent pro Song wären sicher auch für unsere deutschen Kunden wünschenswert.“ Der deutsche Apple-Chef deutete aber an, dass der Endkundenpreis einschließlich der Mehrwertsteuer auch höher sein könne.

Der große Erfolg des iPod zahlt sich für Apple offenbar auch im klassischen Geschäft mit Desktop-Rechnern und Laptops aus. „Wer sich einen iPod kauft, schaut sich in unseren Läden auch die anderen Geräte an“, sagte Steinhoff. Wie groß der Anteil der iPod-Käufer ist, die sich auch einen Apple-Rechner zulegen, wollte er nicht sagen. „Der iPod ist das Trojanische Pferd für unser Kerngeschäft.“

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