Wirtschaft : Arabien ist sexy

Tewe Pannier

Es ist fast wohltuend. Blanke Busen sind tabu. Auf Titelbildern gibt es keine fremden nackten Menschen zu sehen. Im Fernsehen wird nicht schon am Nachmittag über das Geschehen im Bett des Nachbarn palavert. Arabien – eine Oase der Unschuld, eine sexfreie Zone. So scheint es jedenfalls.

Doch die Wirklichkeit ist vielschichtiger. Ein paar Minuten Leerlauf während einer Verhandlung in Abu Dhabi. Im Raum drei Männer und eine Frau: Fatima aus Ägypten, Mitte 40, hat sich in den Medien bis ins Management hochgearbeitet. Einer der Männer will die Zeit überbrücken und erzählt einen Witz, einen schweinischen, richtig derben. Fatima findet ihn super lustig und lacht und lacht und lacht. Ungekünstelt, aus vollem Herzen. Der Erzähler ist sichtlich froh, dass er die Wartezeit elegant überbrückt hat.

Im Supermarkt an der Ecke gibt es seit einigen Tagen einen neuen Aufsteller direkt an der Kasse. So bunt die Packungen sind, Bonbons sind es nicht, sondern Präservative mit Erdbeergeschmack, Gleitcreme und Sex-Spielzeuge. Der Manager strahlt: „Das verkauft sich alles prima!“

Einmal die Woche hole ich einen Satz internationale Zeitschriften. Im „Spiegel“ sind säuberlich alle nackten Busen und Geschlechtsmerkmale übermalt. Ich stelle mir die Zensurabteilung der Vereinigten Emirate vor; viele Männer mit dicken schwarzen Stiften, die sich durch die Magazine arbeiten – und sich vermutlich schweinische Witze dabei erzählen.

Ein US-Magazin berichtet über Dubai als Shopping-Paradies. Im letzten Absatz eine Information, die mich nicht mehr überrascht: Ein Geschäft für Edeldessous hat kürzlich in einem der großen Einkaufszentren aufgemacht, und das Geschäft brummt. Der Verkaufsschlager ist eine mit Diamanten besetzte Peitsche.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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